Parolaris Rückkehr zur Juristerei

FRAUENFELD. Keine 30 Arbeitstage hat Stadtammann Carlo Parolari noch vor sich, bis er sein Amt per Ende Mai abgibt. Nun lüftet er das Geheimnis um seine berufliche Zukunft. Der 53-Jährige kehrt als Partner in seine frühere Anwaltskanzlei zurück.

Mathias Frei
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Noch bis 31. Mai Stadtammann: Carlo Parolari. (Bild: Reto Martin)

Noch bis 31. Mai Stadtammann: Carlo Parolari. (Bild: Reto Martin)

Viel war spekuliert worden. An der Fasnacht war Stadtammann Carlo Parolari eine Karriere als Stadtbus-Chauffeur angedichtet worden. Obernarr und Autohändler Wolfgang Sahli bot dem Stadtammann einen Job als Autoverkäufer an. Denn bei Parolari würde wenigstens die Kasse stimmen. Andere sahen Parolari im Leben danach als Carlo-Bär, das Maskottchen der Thurgauer Kantonalbank. Am Tag, als Parolari seinen Rücktritt bekanntgab, flog die Frauenfelder 'Ndrangheta-Zelle auf. Würde er nun Präsident des Wängemer Boccia-Clubs werden? Und dann kam sogar noch das Gerücht auf, Parolari steige bei der Baumer Electric ein. «Über all das habe ich mich köstlich amüsiert», sagt Parolari heute. Aber es stimmt alles nicht. Denn der 53-Jährige steigt wieder bei der Frauenfelder Anwaltskanzlei Bürgi Hotz Zellweger ein – als Partner und selbständig tätiger Rechtsanwalt. Per 1. August beginnt er dort, wo er sich vor zehn Jahren aus der Privatwirtschaft verabschiedet hatte.

Bis 2005 in der Kanzlei

Als Parolari die Kanzlei 2005 infolge seiner Wahl zum Stadtammann verliess, wurde ihm die Möglichkeit einer Rückkehr nach seiner Politkarriere in Aussicht gestellt. Schon in seinen ersten zehn Jahren als Partner in der besagten Kanzlei hatte er sich dem Verwaltungs-, Planungs- und Bau- sowie Wirtschaftsrecht verschrieben. Daran soll sich im Leben danach wenig ändern. «Ich sehe mich dabei in Zukunft auch einerseits als Berater und Verwaltungsrat von Ostschweizer Unternehmen, andererseits in beratender Funktion für regionale Institutionen und Gemeinden», sagt Parolari. Auch mit seiner Familie hatte er vereinbart, dass nach drei Legislaturen Schluss sei. Das ist nun der Fall, die zwei Jahre als nebenamtlicher Stadtrat ab 2003 eingerechnet.

Büro wird kleiner werden

«Die Rechtswissenschaft entwickelt sich relativ träge», sagt Parolari. Das sei in keiner Weise vergleichbar mit Entwicklungen etwa in der Medizin. Zudem habe er auch als Stadtammann fast täglich mit rechtlichen Belangen zu tun gehabt. Weiter könne er auf einen grossen Erfahrungsschatz zurückgreifen aus zahlreichen Verwaltungs-, Stiftungs- und Zweckverbandsmandaten während seiner Stadtammann-Zeit. Aber natürlich brauche er eine gewisse Zeit, um im neuen alten Job wieder anzukommen. Weil die Kanzlei in naher Zukunft vergrössert werden soll, muss sich Parolari eventuell auch mit einem Büroprovisorium in der Kanzlei begnügen.

Mit dem Boot auf den Untersee

So oder so: Der zukünftige Altstadtammann freut sich auf seinen neuen Lebensabschnitt. «Denn ich bin voll im Saft, fühle mich sehr gut.» Bis Ende Mai ist die Agenda noch übervoll. In den folgenden zwei Monaten will Parolari dann viel Zeit mit Frau und Familie verbringen, am besten auf dem Untersee, wo er ein Boot besitzt. Angedacht sind auch Auslandferien mit seiner Frau.

«Stadtammann zu sein ist ein wunderbares Amt, aber es beansprucht ausserordentlich viel Präsenzzeit.» Sitzungen fast jeden Abend, Anlässe am Wochenende, das sei eher die Regel als die Ausnahme. «Ich war jetzt zwölf Jahre quasi im Schnellzug unterwegs, Tag für Tag im Sitzungsrhythmus», sagt Parolari. Man sei permanent eingespannt. Das treibe ihn um. «Es gibt viel zu wenig selber gestaltete Zeit.» Diese Selbständigkeit darf Parolari bald wieder geniessen – als Rechtsanwalt.

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