«Pa-Radiesli» für die ganze Stadt

Anderthalb Jahre hat der Verein Offenes Gärtnern in Frauenfeld einen Standort für einen Gemeinschaftsgarten gesucht. Nun ist das «Pa-Radiesli» gefunden – am Kanalweg vis-à-vis der Badi. Bald wird es dort wachsen und blühen.

Mathias Frei
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FRAUENFELD. Der Samstagmittag ist kühl. Aber sie schwitzen Herzblut. Jede und jeder weiss, was zu tun ist. Da entsteht ein Geräteschrank aus Holz, dort stampft jemand die Holzschnitzel in die Wege ein. Über einer Feuerschale köchelt Suppe für die fleissigen Mitglieder des Vereins Offenes Gärtnern in Frauenfeld (Ogif). Wo muss die Infotafel hin? Am besten neben das Rosentor. Hier ist mit Steinplatten ein kleiner Sitzplatz geplant. Auf dem kleinen Kiesplatz soll es einen Veloständer aus einem Baumstamm geben. Mittendrin zwei ganz junge Gärtnerinnen, die auf dem Holzschnitzelhaufen herumtollen. Es gibt noch so viel zu tun im Ogif-Gemeinschaftsgarten. Und schon bald soll es hier blühen und gedeihen.

Bislang gehörten die ganzen 4000 Quadratmeter Wiesland am Kanalweg den Schafen (siehe Plan). Nun entsteht dort auf einem 318 Quadratmeter grossem Blätz Frauenfelds erster Gemeinschaftsgarten. Der Verein Ogif hatte sich vor rund anderthalb Jahren gegründet. Die Standortsuche zog sich hin. Schliesslich konnte die Stadt dem Verein mit dem Wiesland Hand bieten.

Idee eines Kräutergartens

«Ab jetzt gilt Mittagsruhe», weist Ursina Ahorn ihre rund 15 Gärtnerfreunde an. Das gute Einvernehmen mit den Nachbarn sei dem Verein wichtig, sagt Ogif-Gründungsmitglied Ursina Ahorn. Keine 20 Meter entfernt sind die Sitzplätze der Alterssiedlung Kesselstrasse. «Wir wollen uns mit dem Gemeinschaftsgarten bewähren, damit wir vielleicht schon nächstes Jahr expandieren können», sagt Ahorn. Vor rund zwei Wochen durften die Ogif-Mitglieder ihren Flecken Land in Beschlag nehmen. Viele Spaziergänger kommen am Gemeinschaftsgarten vorbei. Und seien interessiert, was hier passiere, und begeistert von der Idee eines öffentlichen Gartens. Eine Passantin habe zum Beispiel die Idee eines Heilkräuter-gartens eingebracht.

Mit ein wenig Phantasie kann man sich gut vorstellen, dass hier ein kleines Gartenparadies heranwächst. Die Vereinsmitglieder nennen es denn auch «Pa-Radiesli»: eine Mischung aus «Paradies» und «Radiesli».

Mais neben Bohnen

Und das Schöne daran: Im Gemeinschaftsgarten soll nicht nur jedermann ernten dürfen, sondern auch mithelfen können. «Am 20. März steht der Mond gut. Da könnte man setzen», sagt Ursina Ahorn. Wenn es nach ihr geht, werden im Garten Mischkulturen bewirtschaftet, also zum Beispiel Mais und Bohnen. «Pflanzen, die sich keine Nährstoffe wegnehmen, sondern sich gegenseitig unterstützen.» Auch Sträucher sollen gesetzt werden, weil sie vielen Tieren Lebensraum bieten.

Nebst dem Gärtnern an sich will der Verein auch Workshops anbieten. Bald dürfte ein Komposthaufen ein Thema werden. Oder es könnte einen Kurs zu Hügelbeet-Kulturen geben. Viele Vereinsmitglieder sind Hobbygärtner, einige kommen sogar vom Fach. Die Gärtner erhalten aber auch fachlichen Support, nämlich von Stadtgärtner Andreas Weber. Er hilft dem Verein mit Know-how und seinem Netzwerk weiter. «Oder wenn es um die Ausleihe von Kleinwerkzeug geht», sagt Weber.

Material und Werkzeug gesucht

Dank Webers Kontakten kam der Verein schon zu zwei Materialspenden. Von der Frauenfelder Firma Mobilbeton AG gab es eine Ladung Kies. Die Gartenbaufirma Uebigau aus Frauenfeld hat einen Haufen Holzschnitzel gesponsert. «Alle im Verein arbeiten ehrenamtlich. Wir haben null Budget», sagt Ursina Ahorn und hofft auf weitere Material- und Werkzeugspenden.

Kontakt für interessierte Gärtner: www.facebook.com/ogifogif Mail: team.ogif@gmail.com