Ostwind trieb Leichnam zu

In der TZ von 1917

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Ermatingen (Mitget.) Am Sonntagmittag wurde im Staad der Leichnam eines gutgekleideten 30 bis 40 Jahre alten Mannes, offenbar deutscher Nationalität, durch den vom Ostwind aufgepeitschten Untersee an Land getrieben und geborgen. Die Leiche ist infolge Kopfverletzungen unkenntlich; sie war bekleidet mit graublauer Hose, gehalten durch einen schmalen Ledergurt, blaugestreiftem Hemd, einem Trikotunterleibchen, poröser Sommertrikotunterhose und einem Paar ungesohlter schwarzer Lackschnürschuhe. In den Taschen fand sich: ein schwarzledernes Portemonnaie, enthaltend einen Blechschild mit der Bezeichnung «Bayr. Ersatz-Reg. Nr. 2, 3. Battl., 11. Komp., Nr. 29», ein 5-Mark- und ein 1-Mark-Schein, 4 Mark 44 Pfennig, zwei französische 5- und ein französisches 10-Rappenstück, ein Kalenderchen 1917 und eine um 12 ? Uhr stehen gebliebene silberne Remontoiruhr mit Goldrand, mit der Aufschrift «H. Horn» und in einem Kränzchen «J. B.». An der linken Hand trug der Tote zwei goldene Ringe. Offenbar handelt es sich um einen deutschen Deserteur besseren Standes, der beim Versuch, die Schweiz zu erreichen, ertrunken ist. Er dürfte schon mehrere Tage im Wasser gelegen haben.

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