Oscar-Verleihung für Studenten

Zwei Frauenfelder Studenten sind nominiert für den Young Leader Award, eine Auszeichnung der Fachhochschule St. Gallen. Mit viel Teamgeist und wenig Schlaf haben sie ihr Ziel erreicht.

Johanna Schick
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Andreas Grandits hat ein Excel-Tool entwickelt. (Bilder: Johanna Schick)

Andreas Grandits hat ein Excel-Tool entwickelt. (Bilder: Johanna Schick)

FRAUENFELD. Die beiden Studenten Jonas Mathys und Andreas Grandits stehen nicht gerne im Rampenlicht. Trotzdem hoffen die beiden Frauenfelder darauf, heute abend in Anzug und Krawatte den Young Leader Award in der Tonhalle St. Gallen entgegennehmen zu dürfen. Sie gehören zu zwei Teams, die eine Jury in den Kategorien Marktforschung und Managementkonzeption nominiert hat. Insgesamt hat sie nur drei von sechzig Teams ausgewählt.

Eine Reise nach China

Wenn Jonas Mathys in den letzten Monaten an Schlafmangel gelitten hat, lag dies wohl an drei Chinesinnen. Der Auftraggeber seines sechsköpfigen Teams war die Bühler Group China & Southeast. Das Team besteht neben drei Fachhochschulstudenten auch aus drei chinesischen Bühler-Mitarbeiterinnen.

Das Uzwiler Unternehmen möchte den Service seiner Getreidemühlen weltweit standardisieren. Insbesondere geht es um das Auswechseln des Mühlenkerns. Die Studenten haben während 15 Tagen eine Servicestation in China untersucht, die weltweit als Modell dienen soll.

«Wir hatten eine völlig andere Vorstellung von dem, was uns in China erwartete», sagt der 24jährige Mathys. Die Zeit in China sei spannend, aber auch anstrengend gewesen. «Wir haben wenig geschlafen. Teilweise gingen die Meetings bis zwei Uhr nachts.» Unter diesen Bedingungen seien Reibereien selbstverständlich. Das Team sei während der fünf Monate aber sehr zusammengewachsen.

Zufriedener Auftraggeber

Das Endprodukt der Arbeit sind drei Handbücher, die aufzeigen, wie eine Bühler-Servicestation funktionieren soll. Sie beschreiben alle Einzelschritte von der Eröffnung über die operative Führung bis hin zum Verkauf. «Die Bühler war sehr zufrieden», sagt Mathys.

Anstatt die erarbeiteten Handbücher wie ursprünglich vorgesehen nur in China anzuwenden, hat sich Bühler dazu entschieden, sie in weiteren Ländern zum Einsatz zu bringen.

Excel-Tool für SN Energie AG

Andreas Grandits wohnt teilweise in einer Wohngemeinschaft in St. Gallen, teilweise zu Hause in Frauenfeld. Der Auftraggeber des Praxisprojekts seines sechsköpfigen Teams, darunter ein weiterer Thurgauer, Christian Frei aus Dozwil, war die SN Energie AG. Ihr Auftrag war es, ein Excel-basiertes Programm zu erarbeiten. Dieses so genannte Beteiligungscontrolling vergleicht und beurteilt aufgrund von 20 Kennzahlen Stromlieferanten, an denen die SN Energie beteiligt ist. Dieses Tool liefert laut Grandits eine Vielzahl nützlicher Auswertungen und Simulationsmöglichkeiten.

Insgesamt dauerte das Projekt von Februar bis Juni. Während dieser fünf Monate standen die Teammitglieder in engem Kontakt mit Adrian Inauen, einem Mitglied Geschäftsleitung der SN Energie AG.

Begehrte Chinaprojekte

Die Fachhochschule St. Gallen präsentiert den Studenten jeweils einen Katalog von möglichen Praxisprojekten. Die Studenten müssen sich für diejenigen Projekte bewerben, die ihnen am meisten zusagen. Insgesamt wurden nur zwei Chinaprojekte angeboten. Diese sind laut Mathys jedes Jahr sehr beliebt.

Umso erfreulicher sei es für ihn gewesen, dass er für das Projekt ausgewählt wurde. «Es war mein absolutes Wunschprojekt.»

Auch Grandits ist froh, dass ihm sein Wunschprojekt zugeteilt wurde. «Ich interessiere mich sehr für das Thema Energie.» Auch Grandits' Team wurde vom Auftraggeber gelobt. «Wir waren schon vor Projektbeginn gute Freunde und haben einen starken Teamgeist.»

Die Herausforderung suchen

Grandits Zukunft ist noch sehr offen. «Tendenziell möchte ich auf konzeptioneller Ebene arbeiten, etwas gestalten. Vielleicht im Bereich Strategie, Energie oder Personalwesen», sagt der 26jährige Frauenfelder. Er ist ein offener Mensch und interessiert am Weltgeschehen. «Ich suche immer die Herausforderung.»

Mathys hingegen weiss schon ziemlich genau, wie seine Zukunft aussieht. Während seines Master-Studiums an der Universität St. Gallen (HSG) möchte er unbedingt ein Semester im Ausland verbringen. «Am liebsten in den USA, Kanada oder China.»

Dies sei unter anderem auch der Grund, wieso er an die HSG wechsle. Auch später möchte der Frauenfelder auf internationaler Ebene arbeiten. «Ich möchte in jedem Fall einige Zeit ins Ausland ziehen.»

Wertvolle Erfahrungen

Die beiden Frauenfelder sind sich sicher, dass sie durch Praxisprojekte viel für die Zukunft gelernt haben. «Ich durfte viele wertvolle Erfahrungen sammeln», sagt Grandits. «Die Arbeit war zwar anstrengend», sagt Mathys, «aber ich bin sehr stolz auf unser Resultat.»

Jonas Mathys hat Handbücher für Servicestationen geschrieben.

Jonas Mathys hat Handbücher für Servicestationen geschrieben.