Orientierungsgrundlage vermisst

BDP-Kantonsrat Roland A. Huber verlangt vom Regierungsrat, ein Gesamtkonzept für die Thurgauer Mittelschulen auszuarbeiten – dies auch zur Stärkung der akademischen Bildung im Thurgau.

Caspar Hesse
Drucken
Teilen

FRAUENFELD. Wiederholte Erweiterung des Fächerangebots, Schülerzuteilungen zur Kanti Wil oder Sparanordnungen – Kantonsrat Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) vermisst bei all diesen Entscheiden des Departements für Erziehung und Kultur eine Orientierungsgrundlage. Deshalb verlangt er in einem Antrag ein Gesamtkonzept Thurgauer Mittelschulen. Statistiken würden zeigen, dass speziell im Thurgau Massnahmen zur Stärkung der akademischen Bildung erforderlich seien, begründet Huber seinen Antrag.

Dies habe der Regierungsrat in seinem Bericht zur Entwicklung des Thurgauer Bildungswesens 2013 zwar erkannt. Eine Stärkung sei auch bei der Erstellung der Regierungsratsrichtlinien für die aktuelle Legislatur schon ein Thema gewesen. An der «tatkräftigen Umsetzung» mangle es aber bis heute, findet Huber.

Damit in den Regierungsrichtlinien 2016–2020 konkret umsetzbare Massnahmen aufgeführt werden können, müsse man jetzt die entsprechenden Grundlagen schaffen.

Musischer Zug für Frauenfeld

Im Konzept sollten mehrere Punkte berücksichtigt werden: erstens klare Vorgaben für die strategische Ausrichtung der Mittelschulen an den Standorten Frauenfeld, Kreuzlingen und Romanshorn, namentlich Schultypen, Maturitätsprofile sowie profilspezifische Schwerpunktfächer.

Huber schweben dabei eine Art Standort-Marketingkonzepte vor. «Die Bedürfnisse der drei Standorte sollen auf die gesamte Thurgauer Bevölkerung ausgerichtet werden.»

Es mache zum Beispiel wenig Sinn, dass man nur in Kreuzlingen pädagogische Fächer studieren könne, dort Platzmangel herrsche und zusätzlich gebaut werden müsse, während in Frauenfeld infolge der Streichung von Klassenzügen Schulraum leer stehe. «Frauenfeld würde auch gerne einen musischen Zug führen.» Doch möchte Huber, dass pragmatisch die Stärken ausgearbeitet werden und sein Vorstoss eine breite Diskussion auslöse.

Grenzübertritte regeln

Als zweiten Punkt verlangt Huber standortbezogene Steuerungsgrundlagen für die Führung von Fachmatura-Angeboten und deren Abgrenzung zu allen Berufsmittelschulangeboten.

Drittens müssten die Zutrittsbedingungen für Schüler mit Wohnsitz Thurgau geregelt werden, die an ausserkantonalen Mittelschulen ihre gymnasiale Ausbildung absolvieren wollen. «Die Schulen müssen dabei nebeneinander bestehen können», verlangt Huber. Die Ansprüche auf finanzielle Beiträge und die geographische Nähe müssten dabei berücksichtigt werden.

Nur zehn Mitunterzeichner

Viertens müsse die Qualitätsentwicklung an Mittel-, Fachmittel- und Berufsmaturitätsschulen koordiniert und kostenbewusst gesteuert werden. Und fünftens wünscht sich Huber ein Standortkonzept als Grundlage für die mittelfristige Planung des Schulraumbedarfs.

Warum sein Antrag nur von zehn weiteren Kantonsräten unterstützt wird, führt Huber einerseits darauf zurück, dass die Mittelschulsituation ohne vertiefte Einarbeitung kaum zu durchblicken sei, und andererseits wären auch mehr Unterschriften zusammengekommen, hätte er eine grössere Fraktion im Rücken, mutmasst Huber.