Opfer gibt es auch im Thurgau

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Prävention Etwa einmal im Monat bekommen die Sexarbeiterinnen im «Blauen Aff» Besuch von der Fachstelle für Gesundheitsförderung, Prävention und Beratung Thurgau (Perspektive Thurgau). «Unsere Aufgabe besteht darin, mit den Frauen über Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu sprechen», sagt Laura Spiri, von Perspektive Thurgau. Rund 50 Lokale besuchen ihre zwei Mitarbeiterinnen im Kanton. Darunter sind Saunaclubs, Kontaktbars aber auch private Wohnungen – vorausgesetzt die Fachstelle weiss davon, und die Betreiber sind einverstanden.

In den Gesprächen mit den Frauen geht es in erster Linie um Unterstützung bei gesundheitlichen Problemen. Spiri weiss, dass einige Freier gern auf ein Kondom verzichten würden. «Die Frauen wollen das meist nicht», sagt sie. Doch wenn sie das zusätzliche Geld bräuchten und ein Mann dies verlange, würden sie manchmal nachgeben. Daran seien auch diejenigen Lokale schuld, die mit solchen Praktiken werben. Eigentlich verlange das Gesetz von den Lokalbetreibern, dass sie Kondome für die Frauen zur Verfügung stellten. «Das passiert aber nicht überall.»

Menschenhandel passiert nicht nur auf der Strasse

Verdachtsfälle von Menschenhandel bekommen die Mitarbeiterinnen von «Perspektive Thurgau» manchmal auch mit. Wenn sich der Verdachtsfall erhärtet und das Opfer bereit ist, aus dem Ausbeutungsverhältnis auszutreten, hilft die Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration in Zürich (FIZ), mit welcher der Thurgau eine vertragliche Vereinbarung hat. «Im vergangenen Jahr hatten wir drei neue Fälle aus dem Thurgau», sagt Rebecca Angelini von der FIZ. Dass nur Frauen auf dem Strassenstrich Opfer von Menschenhandel werden, verneint sie vehement. «Fälle können überall auftreten – auch in Salons.» Grundsätzlich gelte: Je prekärer die Situation einer Sexarbeiterin, desto höher ist das Risiko einer Ausbeutung. Es stimme zwar, dass viele Frauen dieser Arbeit selbstbestimmt nachgingen. «Aber es gibt diese brutale Ausbeutung. Davor dürfen wir die Augen nicht verschliessen.» (don)