Opfer des wandelnden Zeitgeistes

Die Idee für einen alkoholfreien Hotelbetrieb in Frauenfeld hatte die Genossenschaft für den Betrieb alkoholfreier Volkshäuser Frauenfeld Mitte des Zweiten Weltkrieges.

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Die Idee für einen alkoholfreien Hotelbetrieb in Frauenfeld hatte die Genossenschaft für den Betrieb alkoholfreier Volkshäuser Frauenfeld Mitte des Zweiten Weltkrieges. Die 1908 gegründete Genossenschaft führte mehrere Gaststätten in der Stadt, etwa das «Hörnli» vis-à-vis dem Wiler-Bahnhof oder die «Helvetia» an der Grabenstrasse. Die Genossenschaft stand in der Tradition des Blauen Kreuzes. Kafi Schnaps, Bier, Wein und Suure Most standen traditionell hoch im Kurs, die Genossenschaft bot eine abstinente Alternative dazu. Die Realisierung des Projekts des Architekten Armin Possert an der Ecke Bahnhof-/Oberstadtstrasse zog sich hin: Einmal liessen es die finanziellen Verhältnisse nicht zu, ein anderes Mal zog es sich wegen eines Einspracheverfahrens durch die Besitzerin des benachbarten, heute verschwundenen Hotels Merkur (die Actienbrauerei Frauenfeld) in die Länge. Im Frühjahr 1963 war dann Baubeginn.

«In den 1990er-Jahren wurde es für den Genossenschaftsbetrieb wirtschaftlich immer enger», sagt Hildegard Schmid, von 1990 bis 2003 letzte Präsidentin der Genossenschaft. Sie sah sich gezwungen, die Liegenschaft zu verkaufen. Es habe sich gezeigt, dass das Label «alkoholfrei» an Anziehungskraft verloren habe. Der Zeitgeist sei ein anderer geworden. Der «Blumenstein» war das letzte Volkshaus in der Stadt. 2003 löste sich die Genossenschaft auf. (hil)

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