OPEN AIR FRAUENFELD: Auf dem Camping oder im Luxustempel

Am Open Air spielt nebst Musik und Spass auch die Übernachtung eine grosse Rolle. Die Angebote reichen vom normalen Campieren bis zu Premium-Lofts – mit unterschiedlichen Preisetiketts.

Samuel Koch
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Steffi und Saskia im Premiumloft, Bett und Strom inklusive. (Bilder: Thi My Lien Nguyen)

Steffi und Saskia im Premiumloft, Bett und Strom inklusive. (Bilder: Thi My Lien Nguyen)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Vollbepacktes Leiterwägeli oder Rollkoffer, langes Anstehen oder problemloser Einlass, zeitintensiver Weg zum Konzertgelände oder schwups, ein paar Meter und schon vor der Bühne. Die Liste der Unterschiede zwischen Open-Air-Besuchern auf den gewöhnlichen Campingplätzen und denjenigen im Premium-Bereich wäre noch länger. Dass das Line-up nicht über ein erfolgreiches Festival entscheidet, beweist der Gang in den Luxustempel im südlichen Teil der Frauenfelder Allmend.

Chill-out-Lounge, Palmen, eine eigene Bar, separate WCs und Duschen, grössere und bequemere Zelte – eine Art Hotel mitten im Festivalgelände, an bester Lage. Das Nonplusultra sind die Premium-Lofts. Die 23-jährige Steffi und 22-jährige Saskia aus dem Aargauischen leisten sich zu zweit 1700 Franken für das dreitägige Festival. «Es ist teuer, ja, aber die Vorteile überwiegen», sagt Saskia, die zum zweiten Mal in Folge in einem Loft residiert, am «Frauenfelder» ist sie bereits das sechste Mal. Nebst bequemem Schlaf dank eines Bettes streichen die zwei Hip-Hop-Fans den Strom, die Duschen sowie die sauberen WCs heraus. «Geil ist auch, dass wir näher am Gelände sind», meint Steffi.

Einziges Manko sei die Stimmung, «die ist auf dem normalen Camping schon besser». Ebenso geben sie zu, dass solche Luxusangebote schon eine etwas traurige Entwicklung seien. «Wir investieren aber gerne darin», meinen die beiden Fachfrauen für Betreuung. Und für Ferien reiche es dieses Jahr auch noch.

Einfachheit gibt den Ausschlag für die Nachfrage

Bereit stellt das Angebot Marco Misuraca mit seiner Firma EPS Schweiz AG. Nebst den 200 Premium-Zelten seien auch die 70 Lofts bereits drei bis vier Wochen vor dem Open Air ausverkauft gewesen. «Es ist ein Bedürfnis, das sich weiter vergrössern wird», sagt Misuraca. Die Einfachheit für die Gäste sei der ausschlaggebende Punkt für die Nachfrage. «Die Besucher kommen, lassen die Sau raus, feiern und gehen wieder», meint Misuraca. Nebst der Infrastruktur sei auch die Rundumbetreuung durch das Team um Projektleiterin Deniz Özkul entscheidend. «Wir erfüllen alle Spezialwünsche», sagt Misuraca. So servieren sie etwa Kafi und Gipfeli, verteilen extra Matratzen oder stellen verschiedene Ladekabel für ausländische Stromstecker zur Verfügung.

Von Steckdosen und Strom können der 20-jährige Scotty Kalamba und seine Freunde aus dem französischen Besançon nur träumen. Zu fünft nächtigen sie in zwei kleinen Zelten in Schlafsäcken und auf Gummimatten. Trotz wenig Schlaf auf hartem Untergrund sind sie begeistert vom Open Air Frauenfeld. «Wir sind das erste Mal an einem grossen Festival und es gefällt uns gut», sagt Kalamba. Dass er auf dem gewöhnlichen Camping übernachtet, stört ihn nicht. «Es ist cool, andere Leute zu sehen und das Gefühl des Miteinanders zu erleben», meint er. Angesprochen auf den zunehmenden Luxus an Open Airs zeigt sich Kalamba verständnisvoll: «Normal, hätte ich das Geld, würde ich es mir auch leisten.»

Kritik an Handhabe auf den Campingplätzen

Zu kritisieren hat er dann doch auch noch etwas. Die Organisation für den Zeltplatz könnte besser sein. «Es sind zu viele Leute auf zu wenig Raum», meint Kalamba. Und für Neuankömmlinge sei es schwierig, noch einen geeigneten Platz zu finden. Diese Meinung teilt Medienchef Joachim Bodmer nicht. «Wir haben den Zeltplatz gut im Griff», sagt er. Es gebe extra Personal, das sich nur um die Einweisung von neu ankommenden Besuchern kümmere. Zudem seien im Vorfeld Upgrade-Voucher für reservierte Stellplätze zum Preis von 60 Franken verkauft worden. Die Campingplätze aufgrund des ausverkauften Hauses zu erweitern sei nicht denkbar, «dafür haben wir auch gar keine Bewilligung».

Während einige noch auf der Suche nach einem geeigneten Platz für ihr Zelt sind, schminken sich andere im Premium-Bereich oder genehmigen sich eine warme Dusche. Für Marco Misuraca ist gut denkbar, dass das Angebot im Frauenfelder Premium-Bereich in Zukunft weiter ausgebaut wird. Schon verglichen zum Vorjahr seien mehr Plätze verfügbar. Verhandelt mit dem Festival-OK werde jedoch erst «nach der Saison». Für Medienchef Joachim Bodmer ist ein Ausbau des VIP- und Premium-Bereichs zurzeit kein Thema.