Oktoberfrust

Turmspatz

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«Weisst du, wo meine Haferlschuhe sind?» – «Im Wandschrank», ruft Frau Turmspatz. Tatsächlich. Da liegen sie ganz hinten bei den Winterfinken. «Brauchst du noch lange?», frage ich. «Komm rein.»

Im Bad kann ich mir einen Pfiff nicht verkneifen.«Neue Frisur?» – «Neue Unterwäsche.» Lächelnd schiebt sie sich an mir vorbei und verschwindet im Schlafzimmer. Ich rasiere mich. «Warum muss das immer so spät sein?», ruft meine Frau Turmspatz nach einigen Minuten. «Feste sind immer am Abend», gebe ich zurück und kämme mir die Haare. «Ich meine nicht die Uhrzeit du Depp», schnaubt sie, «sondern die Jahreszeit.» – «Was gibt’s denn da auszusetzen?» – «Es hat eher mit Ansetzen zu tun», gibt sie zurück, «komm her. Notfall!»

Vorsichtig betrete ich die Kampfzone Schlafzimmer. Beim Versuch, ihren prächtigen Körper in ein Dirndl zu zwängen, ist meine Herzallerliebste stecken geblieben. «Irgendwie passt mir das alles nicht mehr.» – «Warum müsst ihr Frauen eure Kleider immer so knapp kaufen?» Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. «Helfen, nicht lachen», faucht sie.

Mit vereinten Kräften verwandeln wir Frau Turmspatz in eine rassige Trachtenmaid mit attraktivem Decolleté. Vorsichtig setzt sie sich auf die Bettkante. «Jetzt bist du dran.»

Mein kariertes Hemd spannt über dem Bauch, und die Knöpfe der Lederhose sind eine echte Herausforderung. Nur die Socken und Schuhe machen keine Probleme.

«Weisst du, was ich meine? Die Steckborner nehmen das Oktoberfest zu wörtlich. Wenn sie es wie die Münchner im warmen September feiern würden, hätten wir noch keinen Winterspeck angesetzt. Und die Kleider würden perfekt passen.» «Dafür ist die Rechnung der Gemeinde da. Und die ist so positiv, dass wir darauf trinken können.»