Ohnmacht gehört zum Erziehungsalltag

Am ersten Ostschweizer Familienforum ist rund um die Familie und die Kindererziehung informiert worden. Die Resonanz im Wega-Tagungszentrum war gut. Eine Zweitauflage könnte auf diese Erfahrungen aufbauen.

Brenda Zuckschwerdt
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Weinfelden. Das Gefühl, dass einem gleich die Hand ausrutscht. Dass man sein Kind am liebsten kräftig durchschütteln möchte. Die allermeisten Eltern kennen es. Offen dazu zu stehen, trauen sich aber viele nicht. Monica Kunz ist Pädagogin, Geschäftsführerin von PräVita in Frauenfeld und Leiterin der Fachstelle für häusliche Gewalt bei der Kantonspolizei Thurgau.

«Auch ich bin nicht ganz sauber durch die Erziehung unserer Kinder gekommen», sagte sie an ihrem Vortrag anlässlich des Familienforums. Denn irgendwann prallten Ansprüche und Wirklichkeit immer aufeinander. «Das ist normal.» Man müsse solche Momente aber als eine Art heilsames Erschrecken sehen, sagte Kunz. Sie zum Anlass nehmen, nachzudenken. Ohnmacht gehöre zum Erziehungsalltag.

Denn Kinder fänden immer die heiklen Punkte ihrer Eltern, zeigten ihnen ihre Schwachstellen schonungslos auf.

Time-out hilft

Es gäbe aber ein Zaubermittel dagegen, eine Notbremse: Das Time-out. Dazu sei ein Laufgitter bei Kleinkindern ideal. Es ermögliche es Eltern und Kind, herunterzufahren und sich zu beruhigen. Zuletzt gab Kunz den aufgeschlossenen Eltern noch einen Tip zur Versöhnung mit sich selbst auf den Weg. Eskaliere die Situation doch einmal, gäbe es nur eines: sich beim Kind entschuldigen.

«Seien Sie auch da Vorbild.»

Auch die Themen der weiteren Vorträge stammten aus dem Familienalltag. Elisabeth Häni von der Fachstelle UND (Familien- und Erwerbsarbeit für Männer und Frauen) gab Tips, wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen. Die Weinfelderin Regula Flisch, sozialpädagogische Familienbegleiterin, zeigte auf, wie Kinder gefordert und gefördert werden können, ohne sie zu überfordern. Und der Bündner Linard Bardill sprach über Verlust und Wiederentdeckung der Kindheit.

Eltern die Möglichkeit geben, sich weiterzubilden und auszutauschen, das sei das Hauptziel des ersten Ostschweizer Familienforums, sagt Projektleiterin Claudia Vieli Oertle. Mit der Veranstaltung wolle man der Familie in der Öffentlichkeit aber auch einen höheren Stellenwert geben.

Verbesserungen

Oertle sagt mit Blick auf eine Zweitauflage, dass man die Veranstaltung noch verbessern und verfeinern könnte.

Verbesserungswürdig aus Sicht von aussen wären die offenen Diskussionsforen, die wenig Anklang fanden. Das mag unter anderem daran gelegen haben, dass eines der Foren zeitgleich mit einem Vortrag stattfand. Interessierte Eltern informierten sich eher direkt an den Infoständen, an denen zahlreiche Fachstellen ihre Dienste anboten.

Die Vorträge jedoch kamen gut an und boten viele Impulse. Manche hätten sich aber lieber nur für einen oder zwei Vorträge angemeldet. Denn wer Familie hat, für den ist es schwierig, sich einen ganzen Tag für Weiterbildung freizuhalten.

Da half es nur bedingt, dass in der Teilnahmegebühr ein Kinderhort inbegriffen war. Zwanzig Kinder verbrachten dort die Zeit, in der Mami, Papi oder beide den Vorträgen lauschten. Andere sind von ihren Eltern einfach mitgenommen worden.

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