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«Ohne Chefin zerfällt die Gruppe»

Annemarie Buchholz-Kaiser gründete den einst einflussreichen VPM. Am Mittwoch verstarb sie. Journalist und Sektenexperte Hugo Stamm sieht mit ihrem Tod den letzten Zusammenhalt der Vereinigung zusammenfallen.
Silvan Meile
Hugo Stamm spricht im Sommer 2003 zum Thema «VPM-Leute flüchten in den Hinterthurgau – wie gehen wir damit um?». (Archivbild: Reto Martin)

Hugo Stamm spricht im Sommer 2003 zum Thema «VPM-Leute flüchten in den Hinterthurgau – wie gehen wir damit um?». (Archivbild: Reto Martin)

Am Mittwoch starb Annemarie Buchholz-Kaiser in ihrem Haus am Hackenberg, schreiben Sie in einem Nachruf im «Tages-Anzeiger». Wie haben Sie davon erfahren?

Hugo Stamm: Das kann ich nicht sagen, ich will meine Informanten nicht verraten.

Seit Jahrzehnten sind Sie der wohl grösste Kritiker der damaligen Führerin des Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnisse (VPM). Fanden Sie jemals auch etwas Positives an der Frau?

Stamm: Es gibt kein Mensch, der nur Negatives in sich hat. Doch angesichts der Gesamtbilanz fällt es mir sehr schwer, über Frau Buchholz öffentlich etwas Positives kund zu tun. Ihre Anhänger fanden zwar eine geistige Heimat, sie bezahlten es aber mit dem Verlust der persönlichen Freiheit und geistigen Unabhängigkeit. Die Indoktrination führte oft zu aggressivem und intolerantem Verhalten. Ich kenne Aussteiger, die traumatisiert waren und viele Jahre brauchten, bis sie sich wieder in der Gesellschaft zurecht fanden. Ich selbst wurde von Buchholz-Kaisers Anhängern dreizehn Mal angeklagt.

Wird mit ihrer Beerdigung auch der VPM endgültig zu Grabe getragen?

Stamm: Nein, nicht so schnell. Die verbleibende Gruppe ist zwar stark geschrumpft. Viele gingen in letzter Zeit auf Distanz zu ihr. Und das nicht nur freiwillig. Den Überblick hat aber wohl niemand mehr. Einige werden dennoch versuchen, Buchholz' Erbe zu erhalten. Doch auf längere Sicht wird dies kaum gelingen.

Weshalb nicht?

Stamm: Die Altlasten – unter anderem die finanziellen Schwierigkeiten – wiegen schwer. Auch könnte der Zusammenhalt ohne die Chefin schnell zusammenfallen. Frau Buchholz achtete immer darauf, dass niemand neben ihr zu viel Macht erlangte. Deshalb hat sie kaum eine Nachfolgeregelung getroffen, zumal sie mit 74 Jahren unerwartet und früh aus dem Leben schied.

Wie könnte sich die Situation im Hinterthurgau entwickeln?.

Stamm: Ich denke, es wird nach den Konflikten der letzten Jahre rasch ruhiger werden. Wenn sich die Mitglieder der autoritären Führungsfigur nicht mehr beweisen müssen, wird sich die Restgruppe möglicherweise schnell zerschlagen.

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