Österreichern bleibt wenig

Wer im Bodenseeraum keine Arbeit hat, der fährt in Liechtenstein und der Schweiz am besten, wie eine Studie ermittelt. Wegen der grossen Lohnunterschiede sind die Länder aber nur bedingt vergleichbar.

Kaspar Enz
Drucken
Teilen

konstanz. In Österreich trifft es Arbeitslose am härtesten – im Bodenseeraum bleibt ihnen dort am wenigsten im Portemonnaie. Das ist ein Ergebnis der Studie «Leistungen für Arbeitslose in der Bodenseeregion – ein internationaler Vergleich», die die Konstanzer Translake GmbH im Auftrag der Eures-Grenzpartnerschaft Bodensee erstellt hat. Die höchsten Entschädigungen in der Region erhalten Arbeitslose im Fürstentum Liechtenstein.

Verglichen wurden acht Fallbeispiele: Alleinstehende und Verheiratete jeweils mit und ohne Kinder, mit einem Einkommen vor der Arbeitslosigkeit von 30 000 oder 50 000 Euro. Um die Zahlen für die Schweiz und Liechtenstein zu ermitteln, ging Translake von einem Euro-Kurs von 1,30 Franken aus. Da das endgültige Nettoeinkommen von Arbeitslosen in der Schweiz je nach Kanton und Gemeinde unterschiedlich ist, siedelte man die Fälle beispielhaft in den St. Galler Gemeinden Stein und Balgach an.

Grundbetrag unterschiedlich

In allen verglichenen Ländern wird ein Arbeitslosengeld ausgezahlt, das einer bestimmten Quote des Einkommens vor der Arbeitslosigkeit entspricht. Die Unterschiede sind zum Teil erheblich: So werden in Deutschland 60 Prozent des pauschal berechneten Nettolohnes ausbezahlt. In Österreich liegt dieser Grundbetrag bei 55 Prozent des vorherigen Nettoeinkommens. Dieser Betrag liegt in der Schweiz und in Liechtenstein bei 70 Prozent. In allen Ländern kommen verschiedene Kinder- oder Familienzulagen und teilweise Wohnbeihilfen hinzu. Diese sind in der Schweiz kantonal sehr unterschiedlich geregelt. Hier erhöht sich unter einem Tageseinkommen von 140 Franken auch der Grundbetrag auf 80 Prozent des vorherigen Einkommens. In Deutschland wird für Arbeitslose mit Familie auch der Grundbetrag erhöht. Zur Ermittlung des Betrags, den die Arbeitslosen letztlich noch in der Tasche haben, werden davon wiederum Steuern, Krankenversicherung und andere Abgaben abgezogen.

Bei den untersuchten Fällen liegt die Schweiz laut der Studie jeweils nur knapp hinter Liechtenstein, während Deutschland und Österreich mit deutlichem Abstand den dritten und vierten Platz belegen. Jedoch wird der Abstand geringer, wenn die Betroffenen Kinder haben. Am deutlichsten zeigt sich das bei Arbeitslosen, die vorher 30 000 Euro verdient hatten. Hier verbessert sich ihre Lage in der Schweiz kaum, wenn sie Kinder haben.

Deutliches Lohngefälle

Allerdings lassen sich diese Zahlen nur bedingt vergleichen, wie die Studie feststellt: So wurden die unterschiedlichen Laufzeiten der Arbeitslosenunterstützung nicht mit einbezogen. Ebenso unberücksichtigt blieben die verschiedenen Lohnniveaus und die Lebenshaltungskosten in den vier Ländern. Während die verwendeten Einkommen in der Schweiz und Liechtenstein unter dem Durchschnitt liegen, ist ein Jahreseinkommen von 50 000 Euro in Österreich deutlich über dem Durchschnitt von rund 36 000 Euro. Das Medianeinkommen in der Schweiz beträgt hingegen 72 000 Franken, rund 55 000 Euro.

www.statistik-bodensee.org