ÖFFENTLICHER VERKEHR: Weichen für Viertelstundentakt stellen

Die Frauenfeld-Wil-Bahn will ihre Strecke für eine Taktverdichtung ausbauen. Dafür ist unter anderem eine Kreuzungsstelle in Lüdem notwendig. Die Anwohner sind über das Vorhaben nicht nur erfreut – sie fürchten Lärm und Mehrverkehr.

Sebastian Keller
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Im Bereich der Haltestelle Lüdem ist eine Kreuzungsstelle für die Frauenfeld-Wil-Bahn geplant. (Bild: Donato Caspari)

Im Bereich der Haltestelle Lüdem ist eine Kreuzungsstelle für die Frauenfeld-Wil-Bahn geplant. (Bild: Donato Caspari)

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

Die Ingenieure der Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB) haben gerechnet. Aufgabenstellung: Viertelstundentakt durchs Murgtal. Einschränkung: Die Strecke ist grösstenteils einspurig, und es sollen keine neuen Züge gekauft werden müssen. Als erschwerende Zusatzaufgabe kommt die Bedingung schlanker Anschlüsse auf die Schnellzüge in Frauenfeld und Wil dazu.

Die Lösung: Die Züge müssen sich auf der 17 Kilometer langen Bahnstrecke dreimal kreuzen können, und zwar nicht irgendwo. Als Kreuzungspunkte kommen Münchwilen Pflegeheim, Jakobstal und Lüdem in Frage. Die heutige Kreuzungsstelle Murkart ist nicht geeignet, wie Thomas Baumgartner, FWB-Direktor, an einem Informationsanlass für ­Anwohner ausführte. Das hat mehrere Gründe. Einerseits liegt Murkart in einer Kurve, wodurch dieser Bereich eigentlich nicht für eine Kreuzungsstelle geeignet ist. «Deshalb wollen wir diese Kreuzungsstelle aufheben», sagte Baumgartner. Aufheben bedeutet: Den heutigen Doppelspurabschnitt zurückbauen.

FWB will in Lüdem zweigleisig fahren

Einer der Ingenieure, der gerechnet hat, ist Daniel Lenggenhager. Er ist Gesamtprojektleiter Lüdem bei der FWB. «Wir wollen im Bereich Lüdem auf 381 Metern einen Doppelspurabschnitt bauen», sagte er. Heute ist dieser Streckenabschnitt nur einspurig. Eine Doppelspur im Haltestellenbereich erfordert, dass für jede Fahrtrichtung ein separater Einstiegsbereich gebaut werden muss. Im Rahmen des Ausbaus sollen auch die Perrons erhöht werden, um einen ebenerdigen Einstieg zu ermöglichen, wie vom Gesetz vorgeschrieben. Für einen Ausbau im Bereich Lüdem braucht die Regionalbahn aber zusätzliche Fläche – auf der einen Seite begrenzt die Kantonsstrasse das Bahntrassee. Deshalb tritt die Bahn mit den Besitzern der Parzellen in Landerwerbsverhandlungen. Die Verantwortlichen sprechen von einem Streifen von bis zu acht Meter, den sie dauerhaft benötigen. Während der Bauzeit brauchen sie zusätzlich circa fünf Meter. «Für den Baustellenverkehr», begründete Lenggenhager. Die FWB will keine Zeit verlieren. Im August dieses Jahres will sie beim Bundesamt für Verkehr das Plangenehmigungsverfahren einleiten. Dieses dauert voraussichtliche ein Jahr. Während dieses amtlichen Verfahrens können sich verschiedene Seiten zum Projekt vernehmen lassen – Anwohner, Gemeinde, kantonale Ämter. Als voraussichtlicher Baubeginn strebt die Bahn­gesellschaft Herbst 2018 an. Eine In­betriebnahme ist auf Sommer 2019 geplant. Danach ist die Strecke aber noch nicht bereit für einen Viertelstundentakt. Der Ausbau der Kreuzungsstelle Jakobstal ist erst nach 2023 auf dem Plan. Der Grund: Die Geldmittel sind noch nicht freigegeben. Die Verantwortlichen sind aber zuversichtlich, da der Bund das Projekt mit einem hohen Kosten-Nutzen-Verhältnis bewertet.

Eine schrittweise Einführung eines Viertelstundentaktes ist ab 2025 geplant. Diesen müssten die Kantone St. Gallen und Thurgau zuerst bestellen. Wie FWB-Direktor Baumgartner sagte, würde wohl zuerst mit einer Takterhöhung während der Hauptverkehrszeiten am Morgen und Abend gestartet.

Anwohner befürchten eine höhere Lärmbelastung

Die rund zwei Dutzend anwesenden Anwohner von Lüdem machten keine Luftsprünge. Sie fragten beispielsweise, wieso nicht nochmals ein Busbetrieb durchs Murgtal geprüft worden sei. Mit der Anschaffung neuer Züge habe man sich dagegen entschieden, sagte Baumgartner. Die Anwohner befürchten höhere Lärmbelastung. Die Antwort: Die gesetzlichen Grenzwerte würden eingehalten. Der FWB-Direktor zeigte sich bereit, über Lärm- und Sichtschutzmassnahmen zu diskutieren. Bedenken bezüglich Elek­trosmog konnten entkräftet werden. «Wir fahren mit Gleichstrom, da ist Elektrosmog kein Thema», so ein Ingenieur.