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OBSTBAUERN IN SORGE: Ein Falter auf dem Vormarsch

Ein Schädling sorgt bei den Ostschweizer Obstbauern in diesem Jahr für Mehrarbeit und Ernteausfälle. Der Kleine Fruchtwickler macht sich als Raupe das Verbot eines Spritzmittels zunutze.
Peter Exinger
Der kleine Fruchtwickler ist acht Millimeter lang. (Bild: PD)

Der kleine Fruchtwickler ist acht Millimeter lang. (Bild: PD)

"Dieser Kleine Fruchtwickler ist tatsächlich ein ernstes Problem für unsere Zwetschgenproduzenten", sagt Urs Müller vom Arenenberg. Der kleine Falter ist leicht zu übersehen. Und nur schwer auszusprechen. Seine lateinische Bezeichnung lautet: Grapholita lobarzewskii.

So unauffällig er sich benimmt, so bemerkbar schlägt er heuer in den Thurgauer Obstplantagen als Raupe zu. "Die Gefahr durch Ernteausfälle war und ist in diesem Jahr tatsächlich sehr gross", sagt Vroni Hug, Obstbäuerin aus Kesswil.

Die Hinterlassenschaften sind nun nicht zu übersehen

Sie besitzt und pflegt mit ihrem Mann René unter anderem auch rund eintausend Zwetschgenbäume. Die frühe Sorte "Cacaks Schöne" ist bereits geerntet. Bei diesen Früchten war der Befall gering. Bei den frühen Fellenberg, deren Ernte nun abgeschlossen ist, war der Befall schon grösser. Bei den normalen Fellenberg – deren Ernte gestern begonnen hat – waren die Schäden und Hinterlassenschaften des Kleinen Fruchtwicklers schon nicht mehr zu übersehen. Hug selber spricht von etwa vier bis acht Prozent Befall, je nach Zwetschgensorte.

Warum das Problem mit diesem Schädling erst in diesem Jahr festzustellen ist? Weil ein Spritzmittel bislang dafür gesorgt hat, dass wir vom Kleinen Fruchtwickler kaum etwas hören mussten. "Der Bund hat mit letztem Oktober ein Spritzmittel verboten, das sehr wirkungsvoll gewesen ist, Insegar", sagt Urs Müller vom Arenenberg.

Der Kleine Fruchtwickler ist ein hinterfotziger Geselle. Früchte, die er sich als Wirt aussucht, "müssen spätestens bei der Ernte in den Abfall", sagt Vroni Hug. Die Raupe des kleinen Falters bohrt sich durch die Obsthaut, hinterlässt einen typischen spiralförmigen Gang "und dringt fressend bis zum Kern der Zwetschge vor". Zum Verzehr und für den Verkauf sind solche Früchte freilich nicht mehr geeignet.

Die Schäden sind sehr lokal, aber massiv

Der Schädling "tritt sehr heterogen auf", sagt Müller: Der Befall ist also sehr lokal beschränkt, dort massiv, betrifft nicht alle Bäume, sondern nur einige. Hug machte heuer die Erfahrung, dass der Schädling vor allem im Zentrum der Bäume auftritt, "nicht am Giebel, auch nicht an der Peripherie". Begünstigt hat die Ausbreitung des Kleinen Fruchtwicklers auch die Witterung: "Der heisse Juni war ideal für ihn. Da fühlte er sich so richtig wohl und schlug zu."

Wie hat Vroni Hug diesen Schädling nun bekämpft? Auf zwei Arten. Einerseits mit einem anderen Spritzmittel, das aber eine kürzere Wirkungsdauer aufweist und dem Kleinen Fruchtwickler wenig anhaben kann. "Die Spezialisten vom Arenenberg werden für nächste Saison sicher einen anderen Vorschlag der Bekämpfung haben", ist sich Hug sicher. Und andererseits mit Handarbeit. Ein Zwetschgenbaum trägt in der Regel sehr viele Früchte. Gegen Ende Juli müsse man die Masse ohnehin ausdünnen. Dabei muss man die befallenen Früchte – sie weisen einen gummiartigen Harzausfluss aus – auch gleich abernten. So werden die verbliebenen Früchte noch grösser und schöner für den Verkauf.

Selbstverständlich hält sich der Kleine Fruchtwickler nicht an Kantonsgrenzen. Im St.-Gallischen haben die Zwetschgenbauern dieselben Probleme. Niklaus Flammer aus Mörschwil – er bewirtschaftet etwa 90 Hochstammbäume der Sorte Fellenberg – vermisst ebenfalls Insegar. "Jetzt haben wir in diesem Jahr Befall vom Kleinen Fruchtwickler." Aber auch der Pflaumenwickler mache sich "wieder bemerkbar". Wie alle Bauern hofft er, dass es nächstes Jahr eine bessere Strategie für die Bekämpfung dieser Schädlinge gibt.

Insegar verboten

Der Bund prüft eingesetzte Insektizide regelmässig. So hat sich der metamorphosehemmende Wirkstoff Fenoxicarb im Spritzmittel Insegar als problematisch erwiesen. Er gilt als persistent und ist deswegen lange im Boden und im Wasser nachweisbar. Auch gilt das Mittel als «bienengefährlich». Das Verbot von Insegar ist also dem Umweltschutz geschuldet. Für die Praxis ist die Bekämpfung von Schädlingen dadurch aufwendiger geworden. (pex)

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