OBERNEUNFORN: Unberührter Dschungel

Auf einem Rundgang durch ein Eichenwaldreservat erfuhren die Besucher, warum Totholz so wichtig ist und weshalb die Traubeneiche als Baum der Zukunft gilt.

Christine Luley
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Ruedi Lengweiler vom kantonalen Forstamt erklärt den Besuchern das Waldreservat. (Bild: Christine Luley)

Ruedi Lengweiler vom kantonalen Forstamt erklärt den Besuchern das Waldreservat. (Bild: Christine Luley)

Christine Luley

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

«Auf Eichen wachsen die besten Schinken.» Die Einladung des Forstreviers mit der überlieferten Redewendung deutet auf Wildschweine hin. Vergangenen Freitag haben Ruedi Lengweiler vom Thurgauer Forstamt und Revierförster Paul Koch 30 interessierte Gäste durch das vor fünf Jahren geschaffene Eichenwaldreservat in Oberneunforn geführt. Zwar läuft der Gruppe keine Rotte über den Weg, doch in einem lichten, feuchteren Bereich des Waldes sind Spuren zu entdecken.

Im Hungerweiher suhlt sich oft Schwarzwild und befreit sich im Schlamm von Parasiten. Ist von Wildschweinen die Rede, geht es meist um in der Landwirtschaft verursache Schäden. «Die Tiere leisten aber auch Nützliches für das Ökosystem im Wald», ist von Lengweiler zu erfahren. Dass die Allesfresser zwar Eicheln mögen, aber auch Engerlinge und Mäuse. Und sie beim Wühlen mit ihren rüsselförmigen Nasen sogar den von Traktoren festgefahrenen Boden lockern.

Schutzziele gelten für die nächsten 50 Jahre

«Schutzziel des Waldreservates Münchhoferholz/Mosholz ist die ungeschmälerte, langfristige Erhaltung des Eichenwaldes als Lebensraum für seltene Pflan- zen- und Tierarten sowie als naturnahe Kulturlandschaft»: Das verheisst die im Januar 2011 in Kraft gesetzte Schutzanordnung, die mindestens für die nächsten 50 Jahre gilt. Zu den seltenen Tierarten gehört die Mittelspecht-Population. Erste Erfolge sie zu erhalten sind da, wie Lengweiler bestätigt. Daniel Reutimann aus Guntalingen ist einer der 24 Waldbesitzer des 43 Hektaren umfassenden Reservates. «Mich fasziniert das Langfristige an diesem Projekt, die nächste und übernächste Generation wird davon profitieren können», sagt er.

«Ein Kaisermantelschmetterling», deutet Lengweiler auf den gut sichtbaren Falter mit den leuchtend orangefarbenen Flügen, den braunen Flecken und Linien. Die Zuhörer erfahren, dass der Laubfrosch sonnige Waldlichtungen mit Wasser mag. Förster-Praktikant Benedict Hidber erklärt die Erkennungsmerkmale von Trauben- und Stieleichen, und Paul Koch berichtet, was es mit der Mittelwaldbewirtschaftung auf sich hat. Es gab eine Zeit, als Eichen für Bauholz stehen gelassen wurden und alle 15 bis 20 Jahre die unterste Waldschicht für Brennholz abgeholzt, bis aus den Stockausschlägen wiederum ein Niederwald heranwuchs.

Beim nächsten Besichtigungspunkt fallen die verschieden Asthaufen auf. Obwohl sie Totholzhaufen genannt werden, ist Leben darin. Moose siedeln sich an, Tiere finden Unterschlupf. Ein Zaun schützt den Jungwuchs gegen Wildverbiss: 400 Traubeneichen wurden gepflanzt, die restlichen zehn Prozent der Bäume sind Elsbeeren und Winterlinden. Im vergangenen Winter wurden 149 Fichten, acht Buchen und sieben Eschen gefällt, nur Föhren und Lärchen blieben stehen. Am Schluss wird ein Specht enthüllt, die neue Eingangsskulptur des Reservats.