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OBERNEUNFORN: Der malende Neffe

Der junge Caspar Züblin malte in jungen Jahren Pfarrhaus und Kirche in Oberneunforn. Später wird er Textilunternehmer in Italien und begründet eine Dynastie.
Markus Schär
Pfarrhaus und Kirche von Oberneunforn, wie sie der spätere Fabrikant Caspar Züblin-Züblin (1805 bis 1865) im Jahr 1821 gemalt hat. (Bilder: Staatsarchiv des Kantons St. Gallen)

Pfarrhaus und Kirche von Oberneunforn, wie sie der spätere Fabrikant Caspar Züblin-Züblin (1805 bis 1865) im Jahr 1821 gemalt hat. (Bilder: Staatsarchiv des Kantons St. Gallen)

Markus Schär

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Der jugendliche Caspar Züblin wählte am 20. März 1821 eine Position aus südwestlicher Richtung, als er Pfarrhaus und Kirche von Oberneunforn malte. Das Pfarrhaus ist seither mehrmals verändert worden. Auch Anfang des 19. Jahrhunderts, als Züblin die Situation festhielt, soll es aber nicht wie ein Bauernhaus erscheinen. Es zeigt hellen Verputz auf grösserer Fläche und symmetrisch übereinander angeordnete Fenster. An der Fassade wächst ein Spalier, mehrfach geschützt: durch einen Holzzaun, Abraumhaufen und Gewächs. Der anschliessende Ökonomieteil wird nicht verraten.

Das Pfarrhaus schiebt sich zur grauen Westfassade der Kirche, welche die Bildmitte hält und im Zentrum des Dorfes stehen soll. Ein Rund- und ein Bogenfenster machen die Südwand durchlässig. Der verdeckte Friedhof wird von einer beachtlichen Mauer beschirmt. Eine ausladende Trauerweide wirft ihre Äste über Friedhofmauer und Strasse. Sie streichelt die Vorüberziehenden. Mit elegantem Schwung hat es am rechten Rand ein exotischer Baumriese beinahe zur Turmhöhe geschafft.

Zu Besuch bei Frau Pfarrer, seiner Tante

Es wundert, dass ein Caspar Züblin hier zeichnet und mit Wasserfarbe schmückt. Was hat ausgerechnet ein Züblin zeichnend und überhaupt in Oberneunforn verloren? Der Name ist in der ­Gegend höchst unüblich. Weiterhelfen können zunächst blosse Vermutungen. Wer wohnt damals im Pfarrhaus? Es ist Pfarrer Johann Conrad Huber, geboren 1764, ordiniert 1790; 1791 Hauslehrer in Stammheim; 1798 Pfarrer in Sitterdorf; seit 1810 in Neunforn. Das Schicksal meinte es später nicht gut mit Pfarrer Huber. «Auf einem Spaziergange, Sonntags den 1. Juni 1828 vom Schlage gerührt, starb er eines plötzlichen Todes. Ein Denkmal bezeichnet die Stelle dieses Ereignisses», heisst es in den thurgauischen Beiträgen zur vaterländischen Geschichte aus dem Jahr 1863. Gänzlich verwischt sind davon heute alle Spuren. Klarheit bringt die Recherche im Staats­archiv St. Gallen. Dort liegt ein Brief von Johann Conrad Huber aus Oberneunforn aus dem Jahr 1821, als Caspar Züblin Kirche und Pfarrhaus zeichnete. Es ist ein Trostbrief an seinen Schwager Christian Züblin-Zollikofer von Altenklingen, der an Depression litt. Tatsächlich führt der Nachname von Pfarrer Hubers Ehefrau zur Herkunft des Zeichners. Zeichner und Pfarrfrau sind verwandt. Er ist ihr Neffe und wird die Ansicht von Pfarrhaus und Kirche wohl auf Besuch bei seiner Tante gezeichnet haben. Die Züblin sind ein altes, weit verästeltes Fabrikantengeschlecht aus dem Raum St. Gallen.

Der Cousin heiratet die Cousine

Des jugendlichen Zeichners Eltern sind bekannt: Christian und Martha Züblin-Mittelholzer, Fabrikantenehepaar aus Castellammare bei Neapel. Der jugendliche Aquarellist Caspar heiratet hier im Jahre 1835 seine Cousine Ursula Züblin (1814 bis 1882). Seine drei Brüder taten es ihm im Übrigen gleich und heirateten die drei Schwestern Ursulas. Caspar wird Baumwollkaufmann und ­Direktor der um 1840 von David Vonwiller gegründeten Garancine-Fabrik in Castellammare. Garancine ist der rote Farbstoff aus Krapp für die Türkisch-Rotfärberei. Einer der Söhne von Caspar und Ursula ist der Bauunternehmer Eduard Züblin.

Der Verfasser ist ehemaliger Pfarrer in Elgg.

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