OBERNEUNFORN: Das unscheinbare Schloss

Einst war es Schule und Gemeindesitz zugleich. Nun hat eine umfassende Restaurierung den historischen Charme der 500-jährigen Liegenschaft zu Tage gebracht.

Evi Biedermann
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Die Geschichte des Gebäudes an der heutigen Hauptstrasse reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. (Bilder: Evi Biedermann)

Die Geschichte des Gebäudes an der heutigen Hauptstrasse reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. (Bilder: Evi Biedermann)

Evi Biedermann

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Es ist ein schönes und stattliches Gebäude, aber wie ein Schloss sieht es nicht aus, das Haus an der Hauptstrasse 14. Mit seiner Grösse jedoch erinnert der langgezogene Bau an ein stattliches Herrschaftshaus. Dennoch reden in Neunforn alle vom Schloss, wenn es um dieses Haus geht. Nicht Ortskundige fragen dann verwundert: Ihr habt ein Schloss?

Früher war der Begriff noch viel stärker präsent, denn bis 1977 gingen Oberneunforns Kinder im Schloss zur Schule. Und wer etwas von der Gemeindekanzlei wollte, begab sich ins Schloss. Der Name sei aus der Geschichte entstanden, sagt Reto Frehner, der in der Schulbehörde die Liegenschaften betreut. Die Geschichte beginnt für das Schloss unbestimmt im 16. Jahrhundert. Unbekannt ist auch, wer es erbauen liess. Sicher ist jedoch, dass am Gebäude und rund herum seither viel umgebaut, an- und abgebaut sowie verändert wurde. 1837 kam der zweiteilige Vielzweckbau in den Besitz der Bürgergemeinde. Sie behielt nur den westlichen Hausteil für sich und nutzte ihn zu Schul- und Gemeindehaus um.

Alte Tonplatten und Parkettböden

Heute gehört der Westteil der Schulgemeinde, und statt Schulkinder gehen dort schon seit Jahrzehnten Wohnungsmieter ein und aus. Im Parterre betreibt zudem die Raiffeisenbank eine Filiale. In den letzten neun Monaten nun wurden die vier Wohnungen in den oberen Etagen und die Räume im Erdgeschoss umfassend saniert und restauriert. «Wir haben nach historischer Bausubstanz gesucht und sind dabei auf wunderschöne Tonplatten und Parkettböden gestossen», sagt der Frauenfelder Architekt Gabriel Müller.

Ein Umbau sei stets eine grosse Herausforderung. Abwägen, abklären, rechnen, zeichnen, vorstellen, abstimmen, planen, überarbeiten, ausschreiben, entscheiden, umsetzen, besichtigen, überdenken, umentscheiden, erhalten, abreissen, erstellen, abbrechen, aufbauen, restaurieren, hämmern, sägen, mauern, malen, verlegen, einbauen, ärgern, freuen, wie der Spezialist für historische Bauten in seiner Dokumentation festhält. Sich freuen über ein gelungenes Projekt und auch darüber, dass die Kosten nicht überschritten wurden. Die Schulbürger hatten im März 2015 einen Kredit von 1,32 Millionen Franken gesprochen. «Wir können den Kostenrahmen einhalten», sagen Müller und Frehner überzeugt.

Reibungslose Zusammenarbeit

Freude zeigten auch die Gäste, die zu einer ersten Besichtigung eingeladen waren. Mitglieder von Schulbehörde, Gemeinderat und der Architekt dankten sich gegenseitig für die reibungslose Zusammenarbeit. Ein Lob ging auch an die Denkmalpflege und die überwiegend einheimischen Handwerker. Die Wohnungen werden nun neu vermietet. Das Inserat dazu findet man auf der Homepage der Gemeinde.

Im Erdgeschoss befinden sich neu die Spielgruppe und ein Gruppenraum, der gemietet werden kann. «Es ist ein Glück, wie alles gepasst hat und terminlich aufgegangen ist», sagt Reto Frehner. Am Rundgang nahm auch Marianne Lang teil. Die 50-Jährige kennt das Gebäude, seit sie dort in die Primarschule ging. Später wohnte sie auch dort. Zuerst allein, dann in der grösseren Wohnung mit ihrer Familie. Seit über 20 Jahren schaut sie zudem als Hauswartin zum Rechten. Sie war beeindruckt von dem, was sie sah: Dieselben Wohnungen, und doch ganz andere. «Ich würde sofort wieder hier einziehen», sagte die Neunfornerin, die nun in einem Eigenheim wohnt.

Schulpräsidentin Gabi Schneider, Architekt Gabriel Müller und Schulvizepräsident Reto Frehner.

Schulpräsidentin Gabi Schneider, Architekt Gabriel Müller und Schulvizepräsident Reto Frehner.

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