OBERNEUNFORN: Altern ausserhalb des Altersheims

Ein Baumaschinenführer und eine Pflegerin eröffnen eine Wohngemeinschaft für rüstige Rentner. Interessierte finden in vier Zimmern im Anwesen über dem Thurtal Platz, aber sie müssen auch Tiere mögen.

Samuel Koch
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Christoph Schäfer und Sandra Heuft mit ihren Hunden Camelot und Simba. (Bild: Andrea Stalder)

Christoph Schäfer und Sandra Heuft mit ihren Hunden Camelot und Simba. (Bild: Andrea Stalder)

Es ist ein etwas anderes Wohnen im Seniorenwohnsitz Haus Schäfer. Hoch über dem Thurtal, mitten in den Rebbergen ermöglichen Christoph Schäfer und Sandra Heuft seit Anfang Februar eine neue Art des Zusammenlebens für Senioren. «Wir suchen rüstige Rentner, die auf mehr warten als auf Essen und Besuch», sagt Heuft. Sie weiss als gelernte Pflegerin, wovon sie spricht. «In den Altersheimen gehen fittere Senioren unter, denn Heime fokussieren auf Pflegebedürftige», ergänzt die 48-Jährige.

Den Wunsch einer Senioren-WG hegen die beiden Hundehalter schon länger. Seit August wohnen sie mit ihren Hunden Camelot und Simba im Anwesen mit rund 8000 Quadratmetern Umschwung zwischen Oberneunforn und Fahrhof. Für sie das perfekte Haus für die Wohngemeinschaft, grosse Balkons und fünf Sitzplätze mit Grillplätzen inklusive. In die vier noch frei stehenden Zimmer in der ersten Etage sollen bald auch vier Rentner einziehen. «Wir bieten ihnen einen Rundumservice», sagt der 45-jährige Baumaschinenführer Christoph Schäfer. Ob ein Ausflug zum Rheinfall, ein Kinobesuch oder eine Fahrt zu den Familien der Rentner, Heuft und Schäfer teilen sich die Arbeiten auf. «Ich bin fürs Grobe zuständig, meine Partnerin für die Pflege und fürs Essen», sagt Schäfer.   Die beiden gestalten den Alltag individuell je nach den Bedürfnissen und Wünschen der Mieter.

Kostenvorteil gegenüber Pflegeheimen
Einzige Bedingung: Die Interessierten sollten fit sein, eine Altersgrenze gibt es nicht. «Wir suchen niemanden mit Demenz und keine Bettlägrigen», sagt Heuft. Im Preis von monatlich 4500 Franken pro Person sind nebst Strom, Wasser, Wäschewaschen und Essen auch Fahrten zum Arzt oder ins Spital inbegriffen. «Wir sind immer noch günstiger als viele Pflegeheime», meint Heuft. Dort würden alle Aufwände extra verrechnet.
Sicher ist, dass sich Heuft und Schäfer zukünftig hauptberuflich um die Senioren kümmern werden. «Wir möchten etwas für ältere Leute bieten», sagt Heuft. Sie ist als Kind bei ihrer Grossmutter aufgewachsen und liebt deshalb Geschichten von lebenserfahrenen Leuten. «Oftmals bin ich bei meiner Arbeit als Pflegerin für die Rentner da gewesen und habe ihnen einfach nur zugehört», sagt Heuft. Schlechte Erfahrungen habe sie nie gemacht. Verantwortlich zeigt sich aber auch ein anderer Wunsch. «Wir möchten beide Selbstbestimmer sein», sagt sie. Sie und ihr Partner seien zuletzt des Öfteren unzufrieden von der Arbeit nach Hause gekommen. Mit den Rentnern würden sie zwar sieben Tage, 24  Stunden Verantwortung tragen, «das ist aber andere Arbeit», ist sich Schäfer sicher. Und sollten die Mieter selbstständig leben wollen, sei das auch in Ordnung. «Es gibt bei uns auch Rückzugsmöglichkeiten», sagt Heuft.

Viele Interessierte melden sich
Bisher haben sich schon viele Interessierte bei Heuft und Schäpfer gemeldet und die Zimmer besichtigt. «Viele sehen sich aber zuerst noch andere Angebote an, bevor sie sich endgültig entscheiden», meint Heuft. Camelot und Simba bellen und winseln, was wohl als Zustimmung verstanden werden darf.
Mehr Infos unter der Nummer 078 625 14 09 oder E-Mail schaefer.senioren.wg@gmail.com