Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

OBERLANDSTRASSE: Sie wollen die Oberlandstrasse verhindern: Strassenkampf in Lengwil

Bewohner der Dörfer auf der Strecke zwischen Amriswil und Kreuzlingen wollen die OLS verhindern. An einer Infoveranstaltung über die Linienführung hagelt es Kritik an den Strassenplanern.
Silvan Meile
Kantonsvertreter informierten in Lengwil über das Projekt Oberlandstrasse (OLS). (Bild: Donato Caspari)

Kantonsvertreter informierten in Lengwil über das Projekt Oberlandstrasse (OLS). (Bild: Donato Caspari)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauzerzeitung.ch

Eine Stunde lang stellte der Kanton am Montagabend die aktuelle Planung der Oberlandstrasse (OLS) dort vor, wo sie einst durchführen soll. Eine weitere Stunde lang steckten die Verantwortlichen aus allen Ecken der Turnhalle Lengwil-Oberhofen Schelte ein. «Wir brauchen diese Strassen nicht!», ruft einer aus dem Publikum. Applaus beschallt die Halle.

«Sie haben uns ordentlich die Kappe gewaschen», bilanzierte die zuständige Regierungsrätin Carmen Haag zum Schluss der Veranstaltung. Sie bedankte sich dennoch bei den rund 200 Personen für den Besuch der Informationsveranstaltung. Auch Kantonsingenieur Andy Heller wusste im Vorfeld, dass sie in Lengwil nicht auf flammende Befürworter der OLS stossen werden. Dass aber die Leute hier kein einziges gutes Haar an den monatelangen Planungsarbeiten des kantonalen Departements Bau und Umwelt lassen, überraschte dennoch: «Wir haben alles offengelegt, nun aber nur Kritik gehört, keine alternativen Vorschläge», sagte Regierungsrätin Haag. Das sei nicht fair. «Wir haben eine Alternative», sagte einer aus dem Publikum ins Mikrofon, das zwischen den Stuhlreihen zirkulierte. «Diese Strasse nie bauen!» Applaus.

Strassengegner wollen nochmals eine Abstimmung

Die kantonale Oberlandstrasse ist als Ergänzung zur Bodensee-Thurtalstrasse (BTS) geplant, die der Bund in ein paar Jahren von Arbon bis Bonau bauen soll. Die geplante Strecke der OLS führt – stellenweise unterirdisch – von Amriswil nach Kreuzlingen an den Dörfern vorbei. Sie entlastet vor allem die Seestrasse zwischen Romanshorn und Kreuzlingen. Nur Autos und Lastwagen dürfen auf ihr fahren, Velos und Traktoren werden auf eigenen Routen geführt. Mit dem Laserpointer zeigte Projektleiter Peter Imbach auf die Leinwand. Darauf war die Landkarte projiziert. Sie zeigte, wo die OLS genau geplant ist.

Die Anwesenden in der Turnhalle kritisierten vor allem die Anbindung des Spitals Münsterlingen an die OLS. In jeder Variante sieht sich ein Dorf als Verlierer. «Wir wehren uns durch alle Böden gegen die Anschlusstrasse», sagte Hanspeter Holzer, Vizegemeindepräsident von Altnau. Sie generiere mehr Verkehr in den Dörfern, vorbei an Schulen.

Die Strassengegner sprachen von Verrat. Das aktuelle Projekt sei nicht mehr das, welches die Thurgauer 2012 mit der Abstimmung über den Netzbeschluss befürworteten. «Wir haben über die Katze im Sack abgestimmt», sagt ein Mann aus dem Publikum. Das Volk sei damals angelogen worden, sagt ein anderer. Dann griff sich der grünliberale Kantonsrat Klemenz Somm aus Kreuzlingen das Mikrofon. «Ihr habt eure Arbeit gemacht», sagte er zu den Vertretern des Kantons. «Jetzt ist es an der Zeit, die Bevölkerung zu fragen, ob sie die Strasse will.» Der Bau der OLS sei durch die damalige Abstimmung über den Netzbeschluss rechtlich nicht genügend abgesichert. Diese Meinung teilte auch der Jost Rüegg, Kantonsrat der Grünen aus Kreuzlingen. Die Kriterien des Bundes erfülle die BTS sowieso nicht. Und ohne BTS keine OLS. «Ihr seid einem Phantom nachgerannt», schmetterte Rüegg in Richtung Carmen Haag. Und das habe bereits zehn Millionen Franken an Planungskosten verschlungen – für nichts.

Regierungsrätin freut sich über Geografielehrer

Zuvor startete die Regierungsrätin einen Erklärungsversuch: «Wenn die BTS kommt, haben wir ein Problem in den Dörfern.» Der Verkehr nehme mit dem Bevölkerungswachstum zu. «Wir haben den Auftrag, aufgrund planerischer Überlegungen das beste Projekt zu entwickeln», stellt Haag klar. Und dann stand nach einer Stunde kritischer Voten ein Mann auf, der sich als Erster positiv äusserte. Er sei Geografielehrer, kürzlich zugezogen aus Deutschland. Auf ihn wirke das Projekt sehr durchdacht. Die aktuelle Verkehrssituation in Kreuzlingen erfordere doch schon heute ein Handeln. Er staune, dass sich hier nur Strassengegner eingefunden hätten.

«Sie haben uns den Abend gerettet», bedankte sich Haag bei ihm. Anfang nächsten Jahres findet die offizielle Vernehmlassung des Projekts OLS statt. Bis dahin stellt der Kanton das Projekt fertig. Für den Mut, sich der Bevölkerung zu stellen, gab es für die Kantonsvertreter in der Turnhalle Oberhofen-Lengwil doch noch einen Applaus. Dann gingen die Strassengegner wieder – viele mit dem Auto.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.