Nutzung von Tiefenwasser für Geothermie-Kraftwerk

WEINFELDEN. Wer im Kanton Thurgau Tiefenwasser nutzen will, braucht dazu eine Bewilligung. Der Grosse Rat machte am Mittwoch mit einer Anpassung des Gewässerschutzgesetzes den Weg frei für das erste Geothermie-Projekt im Thurgau.

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Der Grosse Rat hat das Gewässerschutzgesetz angepasst. (Bild: Reto Martin)

Der Grosse Rat hat das Gewässerschutzgesetz angepasst. (Bild: Reto Martin)

Die Bewilligungspflicht für die Nutzung von Tiefenwasser sei lediglich eine Übergangsbestimmung, heisst es in der Botschaft des Regierungsrates. Es brauche sofort Rechtssicherheit für die Planung von Geothermie-Kraftwerken.

Der Regierungsrat will noch in der laufenden Legislaturperiode ein entsprechendes Gesetz ausarbeiten. In der Schweiz sei das Potenzial für die Nutzung von Erdwärme sehr hoch. Gemäss Experten sei es langfristig denkbar, dass ein bedeutender Anteil des schweizerischen Strombedarfs aus tiefer Geothermie produziert werde.

Pilotprojekt im Oberthurgau
Das erste Geothermie-Projekt für den Kanton Thurgau wurde am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Das geplante Wärme-Kraftwerk soll Wasser aus 3500 Metern Tiefe nutzen und ab 2018 Heizenergie für 4000 Wohnungen und Strom für 2200 Haushalte im Oberthurgau liefern.

Für das Erdwärme-Kraftwerk will das ekt (Energie Thurgau) 100 Millionen Franken investieren. Vorbild ist das Geothermieprojekt der Stadt St. Gallen. Wie in St. Gallen soll die Erdwärme im Thurgau im hydrothermalen Verfahren genutzt werden.

Bestattungs-Tourismus verhindern
Um gewerbliche Seebestattungen im Untersee zu verbieten, führt der Kanton Thurgau einen Friedhofzwang ein. Dies sei nötig, um den zunehmenden Bestattungstourismus zu unterbinden, sagte Baudirektor Jakob Stark. Das geltende Gesetz biete dazu keine Handhabe. Am Untersee gebe es immer mehr gewerbliche Seebestattungen, weil im Nachbarland Naturbestattungen verboten seien.

Der Friedhofzwang richte sich nicht gegen die immer beliebter werdenden alternativen Bestattungsformen im Thurgau, sagte Stark. Um sogenannte Friedwälder und andere Naturbestattungen weiterhin zu ermöglichen, können die Gemeinden inskünftig Zonen für alternative Bestattungen ausscheiden.

Keine Bewilligungspflicht für Tankanlagen
Anlass für die verschiedenen Gesetzes-Anpassungen, welche der Grosse Rat am Mittwoch in erster Lesung beraten hat, sind Änderungen im Gewässerschutzgesetz des Bundes. Dieses ist liberalisiert worden und übergibt Betreibern von Tankanlagen mehr Eigenverantwortung. Tankanlagen sind nicht mehr bewilligungs-, sondern nur noch meldepflichtig. (sda)