«Nur was nötig ist, wird bezahlt»

Die Abteilungsleiterin der Stipendienstelle Thurgau, Claudia Keller, über die neuesten Zahlen aus dem Thurgau und dass es fast nicht möglich ist, sich ein Stipendium zu erschleichen.

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Claudia Keller Abteilungsleiterin Stipendien-stelle Thurgau (Bild: pd)

Claudia Keller Abteilungsleiterin Stipendien-stelle Thurgau (Bild: pd)

Frau Keller, was ist der Thurgauer Höchstbetrag für Stipendien?

Claudia Keller: Für einen alleinstehenden Stipendienbezüger sind es in diesem Jahr 16 000 Franken, 2012 waren es noch 15 000 Franken. Pro Jahr und zwei Semester, versteht sich.

Und wie hoch ist der durchschnittliche Betrag?

Keller: Im vergangenen Jahr wurden im Thurgau knapp acht Millionen Franken an Stipendien ausgezahlt. Bei etwa 1250 Bezügern kommt man auf durchschnittlich 6400 Franken. Die Beträge sind dabei aber sehr individuell.

Nimmt die Anzahl der Stipendien, die ausbezahlt werden, zu oder ab?

Keller: Sie ist erstaunlich stabil. Erstaunlich deshalb, weil es immer mehr Studenten gibt.

Und wie erklären Sie sich diese Stabilität?

Keller: Es gibt vor allem eine Zunahme bei berufsbegleitenden Ausbildungen. Diese Personen können sich ihren Lebensunterhalt meistens selbst finanzieren und sind nicht auf Stipendien angewiesen.

Für welche Ausgaben kommt das Stipendienamt auf?

Keller: Nicht für alles. Ein gewisser Eigenverdienst wird bei jeder Ausbildung vorausgesetzt. Und natürlich sollen die Eltern unterstützen, wo sie können. Auch wird nur bezahlt, was nötig ist. Wer weniger als eine Stunde Zug fahren muss, bekommt keine Wohnung finanziert.

Was passiert, wenn ein Stipendienbezüger sein Studium abbricht, weil er merkt, dass er doch lieber jobben möchte?

Keller: Muss man aus gesundheitlichen Gründen das Studium abbrechen oder erbringt ungenügende Leistungen, wird nichts zurückgefordert. Bricht man die Ausbildung aber aufgrund der persönlichen Neigung ab, muss man einen Teil zurückzahlen.

Gibt es Antragsteller, die Angaben manipulieren, um mehr Stipendiengelder zu erhalten, als ihnen zustehen?

Keller: Um einen Antrag zu fälschen, ist eine hohe kriminelle Energie nötig. Gewisse Unterlagen wie Immatrikulationsausweise sind fast nicht zu fälschen. Und für die meisten Angaben wie auswärtige Mittagessen gibt es Pauschalberechnungen.

Ruft bei Ihnen auch wer an und bedankt sich für die Unterstützung?

Keller: Ja, und das freut uns. Telefone von unzufriedenen Leuten, die eine Ablehnung ihres Gesuchs nicht verstehen, sind aber häufiger.

Interview: Gloria Karthan