Nur in den Turm durfte man nicht

HERDERN. Das Schloss Herdern hat am Wochenende das 120-Jahr-Jubiläum gefeiert. Am Tag der offenen Tür erhielten die Besucher Einblick in die soziale Institution. Die Besucher sind beeindruckt von der Arbeit der Bewohner.

Judith Meyer
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In der «Genussküche» erhielten die Besucher ein Müsterli mit getrockneten Apfelringen. (Bild: Jochen Eichler)

In der «Genussküche» erhielten die Besucher ein Müsterli mit getrockneten Apfelringen. (Bild: Jochen Eichler)

Auf unwegsamen Pfaden vom Parkplatz auf der Wiese gelangten die Besucher am Samstag auf das Festgelände von Schloss Herdern. Die soziale Institution Schloss Herdern feierte an diesem Wochenende mit einem Tag der offenen Türe ihr 120jähriges Bestehen. Um die Mittagszeit waren dann die Tische im Schlosshof voll besetzt. «Die angenehme Atmosphäre hier gefällt uns. Das Fest ist herzlich, sauber und ideal für Familien gestaltet», findet Beate Städler aus Oberuzwil.

Mit Liebe zum Detail

Wer sich unter den alten, schattenspendenden Bäumen verpflegt hatte, schaute sich das reichhaltige Unterhaltungs- und Informationsprogramm an. Unmittelbar neben der Festwirtschaft lag das Wohnhaus, wo die Besucher ein Zimmer eines Bewohners begutachten konnten. Erstaunlich, wie präzise Mitarbeiter der Institution ein solches mit Liebe zum Detail drapiert hatten: «Raum 106 gibt eine Idee von einem Zimmer der Bewohner, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes haben wir ein solches nachkonstruiert», erklärt Christa Lampart, zuständig für die Freizeitgestaltung und Betreuung.

Vom Musterzimmer hinab in die «Genussküche», die früher ein Hallenbad und später ein Kreativatelier war. Hier bereiten Bewohner von Schloss Herdern sorgfältig Spezialitäten aus der Dörrerei und dem Kreativatelier zu. Freundlich werden die Besucher mit einem «Müsterli» getrockneter Apfelringe empfangen. Weiter geht es im Rundgang in die Käserei: «Der Käse, den sie hier machen, ist sensationell», schwärmt Hansruedi Graf aus Frauenfeld und ergänzt: «Es ist interessant zu sehen, was die hier noch alles in Handarbeit machen und nicht maschinell.»

Damit man sich auf dem weitläufigen Gelände und in dem vielseitigen Angebot nicht verliert, stand der Infostand mitten im Schlosshof, wo Mitarbeiter Pläne verteilten. Beim Sozialdienst und bei der medizinischen Betreuung konnten sich die Besucher über die psychiatrisch-medizinischen Angebote erkundigen.

«Hungerglöcklein» kehrt zurück

Etwas Besonderes für den Feiertag hat sich Geschäftsleiter Armin Strom ausgedacht: «Wir haben das <Hungerglöcklein> wieder installiert, nur für heute. Das war früher das Zeichen für die Arbeiter auf dem Feld, dass das Mittagessen bereitsteht», erzählt Strom. Ausserdem verrät er: «Ich bin noch nicht zur Ruhe gekommen, um Bilanz zu ziehen, aber ich habe den Eindruck, dass die Besucher nicht nur unser Festangebot toll finden, sondern auch erstaunt sind, was wir alles anbieten.» Aus Sicherheitsgründen war der Zugang zum Schlossturm indes nicht möglich.