Nur einmal Antibiotikum erlaubt

Zur Bekämpfung des Feuerbrands darf dieses Jahr nur einmal auf das Antibiotikum Streptomycin zurückgegriffen werden. Den Rest muss das Alternativpräparat LMA erledigen. Das hat der Bund entschieden.

Christof Widmer
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Vom Feuerbrand befallene Früchte verfärben sich braun. Das Bakterium kann sich weiter im Baum ausbreiten. (Bild: Nana do Carmo)

Vom Feuerbrand befallene Früchte verfärben sich braun. Das Bakterium kann sich weiter im Baum ausbreiten. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Der Kanton Thurgau und der Schweizerische Obstverband hatten keinen Erfolg. Sie forderten, dass dieses Jahr das Antibiotikum Streptomycin zweimal in den Obstanlagen eingesetzt werden darf, um den Feuerbrand zu bekämpfen. Das Bundesamt für Landwirtschaft hat nun aber entschieden, dass es das Mittel nur für einen Einsatz freigibt. Dafür dürfen die Obstbauern das Alternativmittel LMA dreimal einsetzen. Damit steht den Obstbauern dasselbe Dispositiv zur Verfügung wie letztes Jahr. Damals kam es aber nicht zum Einsatz, weil der Befallsdruck der Feuerbrandbakterien zu gering war. Dass LMA tatsächlich wirkt, darauf deuten bisher aber Erfahrungen aus Deutschland hin.

«Mit der Freigabe von LMA stehen wir nicht mit leeren Händen da», sagt Edwin Huber, der Präsident der Thurgauer Obstbauern. Ihm wäre es aber trotzdem lieber gewesen, wenn das bewährte Streptomycin zweimal eingesetzt werden könnte. «Wir haben mit LMA zu wenig Erfahrungen», sagt Huber.

Besserer Schutz für Junganlagen

Der Obstbauernverband werde nun diskutieren, ob er einen Antrag stellen soll, dass wenigstens Anlagen mit jungen Bäumen zweimal mit Streptomycin behandelt werden dürfen, sagt Huber. Bäume, die voll im Wuchs sind, seien besonders anfällig auf das Feuerbrandbakterium. Im Gegensatz zu anderen Anlagen seien hier Totalausfälle möglich, wenn das Bakterium zuschlägt.

Die Situation dieses Jahr sei zudem anders als im letzten Jahr, sagt Huber. Weil 2014 ganz auf den Einsatz von Streptomycin oder LMA verzichtet wurde, sei es da und dort zu Neuinfektionen gekommen. Man müsse damit rechnen, dass mehr Feuerbrandbakterien vorhanden seien und der Befallsdruck höher sei.

Auch der Pflanzenschutzdienst des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg stellt sich auf die Verfügung aus Bern ein. «Wir nehmen das zur Kenntnis», sagt Feuerbrandexperte Urs Müller. Der Kanton hätte gerne öfter auf Streptomycin zurückgreifen können, falls der Feuerbrand wieder so einschlagen würde wie 2007, als an elf Tagen die Witterungsbedingungen für Neuinfektionen erfüllt waren. «Aber irgendwann ist der Zeitpunkt da, wo wir es mit LMA probieren müssen», sagt Müller.

Das Bundesamt für Landwirtschaft bekräftigt derweil das Ziel, auf das Antibiotikum Streptomycin ganz verzichten zu können. Wann es so weit ist, könne jetzt aber noch nicht gesagt werden, sagt Olivier Félix, Leiter des Fachbereichs Pflanzenschutzmittel im Bundesamt. Für dieses Jahr halte das Bundesamt an einem beschränkten Einsatz von Streptomycin fest, um die Wirkung des Antibiotikums mit jener von LMA vergleichen und so Erfahrungen mit dem Alternativpräparat sammeln zu können.

Der Einsatz von Streptomycin, das in den Obstanlagen versprüht wird, ist umstritten. Kritiker befürchten, dass so Antibiotikaresistenzen entstehen können. Ausserdem fanden sich Spuren von Streptomycin wiederholt im Honig. Allein im Thurgau musste deshalb schon tonnenweise Honig aus dem Verkehr genommen werden.

Antibiotikum braucht Freigabe

Damit die Obstbauern Streptomycin überhaupt einsetzen können, braucht es eine Freigabe durch den Pflanzenschutzdienst des Arenenbergs. Für LMA ist keine Freigabe nötig. Der Arenenberg gibt aber eine Empfehlung ab, es einzusetzen. Die Empfehlung für LMA und eine Streptomycin-Freigabe werden aufeinander abgestimmt.