Nur die Jury hat schon Expo-Bilder

WEINFELDEN. Die Diskussion über die Expo 2027 leidet am Fehlen konkreter Ideen. Exponenten des Expo-Vereins aus den drei Trägerkantonen verbreiteten an einem Podium in Weinfelden dennoch Aufbruchstimmung.

Thomas Wunderlin
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Regierungsrätin Carmen Haag zeigt Fotos von mutmasslichen Besuchern der Expo 2027. (Bild: Reto Martin)

Regierungsrätin Carmen Haag zeigt Fotos von mutmasslichen Besuchern der Expo 2027. (Bild: Reto Martin)

Die Expo 2027 könnte ein Bähnli von Arbon zum Säntis mit sich bringen. Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag erwähnte es als mögliches Bild der nächsten Landesausstellung. Sehr wahrscheinlich ist dessen Umsetzung nicht. Haag, Präsidentin des politischen Lenkungsausschusses, ist nicht Mitglied der Expo-Jury. Sie sollte deshalb die eingereichten Wettbewerbsbeiträge nicht kennen. Bis im Herbst will die Jury die Öffentlichkeit über das Siegerprojekt informieren. Bis dahin leidet die Diskussion an einem Mangel an Bildern, wie an einer Podiumsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft der CVP Thurgau am Dienstag in Weinfelden deutlich wurde. Sie wurde geprägt von Expo-Bekenntnissen wie jenem des St. Galler Kantonsratspräsidenten Paul Schlegel: «Wir sind selber Narren, wenn sie es uns nicht wert ist.» Die nächste Landesausstellung komme auf jeden Fall, die Frage sei nur, ob sie in der Ostschweiz stattfinde.

Aus dem Schatten treten

Für Haag ist die Expo eine Chance der Ostschweiz, «aus dem Schatten herauszutreten». Der Amriswiler FDP-Kantonsrat und Immobilienunternehmer Hermann Hess hielt ihr entgegen, dass es keine Ostschweizer sondern eine schweizerische Landesausstellung sei. In der Schweiz veranstalte jede Generation seit dem 19. Jahrhundert eine Landesausstellung: «Wenn wir sie nicht machen, sind wir die Generation, die es nicht geschafft hat.»

Über Chancen und Probleme kann man sich vorläufig nur in abstrakter Form austauschen. So fragte der Bischofszeller Stadtammann Josef Mattle nach Konflikten mit dem Raumplanungsgesetz. Laut Haag wird die Frage sein, ob die Expo Ausnahmen «im kantonalen Interesse» rechtfertige. Normalerweise würden so Deponiestandorte gerechtfertigt. Kein Problem mit dem Raumplanungsgesetz hätte Toni Kappeler. Der Präsident von Pro Natura Thurgau möchte das «Wohnen in der Zukunft» auf den «riesigen Industriebrachen im Oberthurgau» zeigen. Von den bleibenden Werten, die die Expo 2027 schaffen soll, erhofft sich der Aadorfer Unternehmer und CVP-Kantonsrat Ruedi Heim etwas anderes als Kappeler, nämlich eine verbesserte Infrastruktur, etwa neue Strassen. IHK-Thurgau-Präsident Christian Neuweiler sieht die Expo-Ausgaben als Investition in den Wirtschaftsraum Ostschweiz.

Als Jurymitglied sei sie von den Bildern der eingereichten Projekte geprägt, bekannte Marianne Koller, Frau Landammann von Appenzell-Ausserrhoden. Dass diese noch nicht öffentlich gemacht wurden, erklärte sie mit einer Lehre aus der Expo02. Damals habe man einen partizipativen Ansatz verfolgt, der viele Enttäuschungen hervorgerufen habe. Sie machte klar, dass in jedem der Trägerkantone ein Expo-Standort vorgesehen ist.

Besser ohne Bilder

Die fehlenden Bilder sind für Regierungsrätin Haag ein Problem, falls der Thurgauer Beitrag für die nächste Projektstufe eine Volksabstimmung verlangen sollte. Den Parlamenten der Kantone St. Gallen, Thurgau und Appenzell-Ausserrhoden liegen Kreditanträge ihrer Regierungen von insgesamt 8,8 Millionen Franken vor.

Um den rund fünfzig Anwesenden etwas Anschauliches zu bieten, liess Haag Fotos von Kindern, die im letzten Expo-Jahr 2002 geboren wurden, auf die Leinwand projizieren. Gemacht wurden sie von Studenten der St. Galler Schule für Gestaltung.

«Seid froh, dass die Bilder noch nicht da sind», hielt ihr der St. Galler Kantonsratspräsident Schlegel entgegen. Wenn die Standorte bekannt seien, werde es schwierig werden, die Bewohner des Weisstannentals davon zu überzeugen, ein Projekt am Bodensee zu unterstützen.