«Nur die Bernina lief und lief»

Nach zehn Jahren ist Peter Reber wieder auf Tour – ein letztes Mal, wie er vor dem Konzert in Frauenfeld sagte. Für danach hat er noch keine Pläne, ausser aufräumen und entspannen.

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Herr Reber, wie ist es, nach zehn Jahren erstmals wieder auf Tour zu gehen?

Peter Reber: Es ist wie Velo fahren. Wer es einmal gemacht hat, der steigt immer wieder auf, und es fährt problemlos. Aber ohne meine Tochter Nina hätte ich vermutlich keine Tournée mehr gemacht.

Sie geben über 40 Konzerte in zwei Monaten. Warum dieser straffe Terminplan?

Reber: Ich mag es nicht, wenn ich auf Tournée bin und dazwischen immer wieder tagelang aufs nächste Konzert warten muss. Und zum anderen wird die Miete für das Material halt umso teurer, je länger man es benötigt.

Wie erholen Sie sich zwischen den Auftritten?

Reber: Ich schlafe am nächsten Tag erstmal richtig aus, frühstücke ausgiebig, plaudere mit meiner Frau, alles ganz normal. Ich brauche nichts Spektakuläres wie Wellness oder so.

Ihre bisher gespielten Konzerte waren alle gutbesucht bis ausverkauft. Haben Sie damit gerechnet?

Reber: Ich erwarte nie, dass es nach einer Pause wieder läuft. Bei jeder Tour, bei jedem Album fange ich wieder bei Null an. Aber ich habe schon erwartet, dass ein paar Leute kommen werden.

Ihr neues Album «Nimm mi mit» ist nun im Handel erhältlich. Hat man nach so vielen veröffentlichten Alben noch Erfolgsdruck?

Reber: Nein, eigentlich nicht. Ich bin ein Zweckpessimist. Denn es ist praktischer, über den eigenen Erfolg überrascht zu sein, statt im nachhinein sagen zu müssen: Gopfried Stutz, ich dachte wirklich, dass es was wird.

Wie sehen Ihre Pläne für nach der Tournée aus?

Reber: Zuerst mal alles aufräumen und entspannen. Sonst ist noch vieles offen. Fest steht, dass es keine weitere Tour geben wird. Das Ziel ist im Moment, den 23. Dezember heil zu erreichen, ohne krank zu werden. Zum Glück hat meine Frau die Sache mit den Weihnachtsgeschenken im Griff, denn dafür hätte ich kaum Zeit.

Im Thurgau spielen Sie insgesamt vier Konzerte. Mehr als in Ihrem Heimatkanton Bern. Warum?

Reber: In die Auswahl der Auftrittsorte war ich nur am Rande involviert. Man schaute einfach, wo es passende Lokalitäten gibt. Aber es freut mich, so oft hier zu sein. Ich mag den Thurgau. Ich weiss noch, auf dem Schiff hatten wir früher eine Bernina-Nähmaschine. Die lief und lief, während alle nautischen Geräte im Laufe der Jahre kaputtgegangen sind. Deshalb habe ich der Bernina später mal einen Brief geschrieben, um zu fragen, ob sie nicht auch nautische Geräte herstellen könnten, bei der Qualität. Kennen Sie eigentlich das Bodenseelied?

Nein? Nur das Thurgauerlied.

Reber: Das ist einer der Gründe, warum ich gerne im Thurgau spiele, dann kann ich nämlich dieses Lied singen. Und das geht so: Ach, mir tut das Herz so weh, wenn ich im Glas den Boden seh.

Interview: Stephanie Martina

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