«Nun habe ich eine Sorge weniger»

Der cerebral gelähmte Theodor Forrer widmet sein Leben seinen Kindern – auch wenn er sie nur am Wochenende sieht. Die OhO-Weihnachtsaktion unterstützt ihn bei einer dringenden Zahnbehandlung, die er nicht bezahlen kann.

Jana Rutarux
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Zwei Tage in der Woche verbringen die drei Kinder von Theodor Forrer jeweils bei ihm zu Hause. (Bild: David Suter)

Zwei Tage in der Woche verbringen die drei Kinder von Theodor Forrer jeweils bei ihm zu Hause. (Bild: David Suter)

LICHTENSTEIG. Mit einem strahlenden Lächeln öffnet Theodor Forrer die Tür. Er versucht aufrecht zu stehen, doch seine Hüfte sei ein wenig «gschtabig», sagt er. Der 54-Jährige leidet seit seiner Kindheit an einer cerebralen Lähmung. Bis er 20 war, wurde er elfmal im Bein- und Hüftbereich operiert. «Als ich eineinhalb Jahre alt war, passierte ein Operationsfehler. Dieser war nicht mehr zu beheben», sagt Forrer. Auch heute könne es noch passieren, dass er wegen seiner reduzierten Beweglichkeit stürze.

Arbeit hat ihn stark gemacht

Auf die Frage, ob seine Behinderung ihn einschränke, schüttelt der Bauernsohn aus dem toggenburgischen Stein den Kopf: «Ich bin in der glücklichen Lage, mit meinen Kindern etwas unternehmen und arbeiten zu können. Ich hinke zwar, aber das lässt sich sowieso nicht mehr ändern.»

Forrer ist als IV-Rentner in der «A+B Bürstentechnik» in Wattwil angestellt. Dort zieht er seit 15 Jahren von Hand die Borsten für Strassenreinigungsbürsten ein. Schon als Kind habe er trotz seiner Behinderung gerne hart gearbeitet – besonders auf dem Bauernhof. «Die anstrengende Arbeit hat mich stark gemacht.»

Alleiniges Sorgerecht

Diese Stärke zeigt Forrer auch im Familienleben. Der 54-Jährige hat das alleinige Sorgerecht für seine drei Kinder. Der zehnjährige Damian und die 14jährige Jennifer besuchen die Heilpädagogische Schule. Die 17jährige Jasmin macht eine Lehre als Kaminfegerin.

Über seine Ex-Frau spricht Forrer nicht gerne. Seit vier Jahren ist er von ihr geschieden. «Es ist so viel passiert. Ich habe Geduld und Verständnis verloren», sagt Forrer. Gegen Ende der Ehe habe die Familie finanziell gelitten. Während dieser Zeit ging Forrer nicht mehr zur Zahnkontrolle. Vor kurzem konnte er aber einen Besuch beim Zahnarzt wegen Schmerzen nicht länger hinausschieben. «Nach der Behandlung haben Phantomschmerzen in meiner Schulter nachgelassen», sagt Forrer. Der Zahnarzt empfiehlt dringend weitere Behandlungen. Forrer erhofft sich durch diese eine Linderung seiner Kopfschmerzen. «Das Geld dazu habe ich aber nicht.» Lisa Ahrendt, Berufsbeiständin der Gemeinde Lichtensteig, hat darum bei «Ostschweizer helfen Ostschweizern» um Unterstützung gebeten: «Er ist ein aufrichtiger Vater und denkt nur an seine Kinder. Es wäre schön, wenn er einmal etwas für sich machen könnte.»

Der OhO-Beirat hat nach Überprüfung des Gesuchs einen Unterstützungsbeitrag bewilligt. «Damit habe ich eine Sorge weniger. Was für eine Erleichterung», sagt Forrer. Denn einfach habe er es nicht – seine Kinder sieht Forrer nur zwei Tage pro Woche.

«Sie waren weg»

«Das ergab sich so, nachdem die Ehe nach 15 Jahren plötzlich bergab ging», sagt Forrer. Nach Reaktionen aus der Bevölkerung habe sich die Gemeinde eingeschaltet. Schliesslich wurden die Kinder in Pflegefamilien plaziert. «Sie waren weg, ich konnte nichts dagegen tun. Das war ein harter Schlag. Die Kinder sind mein Ein und Alles.» Um wieder Kontakt zu den dreien haben zu dürfen, reichte Forrer die Scheidung ein. Für ihn bedeutete dies Alleinsein; dafür durfte er die Kinder an den Wochenenden sehen.

Mit dieser Situation hat er sich inzwischen abgefunden: «Es gibt schon Zeiten, in denen die Gefühle wieder hochkommen. Aber ich wollte immer, dass aus meinen Kindern etwas wird. Meine beiden Jüngsten haben mit ihrer Pflegefamilie das goldene Los gezogen, und meine Älteste ist mit der Lehre gut unterwegs. Das ist mein Trost.»