Nulltoleranz gilt sicher bis Ende Jahr

Die Stadt Frauenfeld zieht ihr Sicherheitskonzept am Bahnhof durch. Bis Ende Jahr werden Kantonspolizei und der Bahnsicherheitsdienst weiter kontrollieren. Rund 4000 Franken kostet das die Stadt monatlich. Derweil treffen sich die Weggewiesenen an anderen bahnhofsnahen Orten.

Thomas Ammann
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Neuer Treffpunkt: Weil Hänger und Randständige beim Bahnhof (im Hintergrund) nicht mehr erwünscht sind, treffen sie sich nun im Lindenpark. (Bild: Reto Martin)

Neuer Treffpunkt: Weil Hänger und Randständige beim Bahnhof (im Hintergrund) nicht mehr erwünscht sind, treffen sie sich nun im Lindenpark. (Bild: Reto Martin)

Frauenfeld. Seit Anfang Dezember 2010 herrscht am Bahnhof Frauenfeld Nulltoleranz. Seit dem 1. Juni ist der neue Stadtrat und Vorsteher der Abteilung Öffentliche Sicherheit, Ruedi Huber (SVP) für das Projekt zuständig. «Die Situation ist viel besser geworden», sagt er. «Wir stellen viel weniger Fehlverhalten fest.» Reaktionen hat der Stadtrat in den vergangenen Wochen keine mehr erhalten – trotz wärmerer Temperaturen. «Im Moment ist es sehr ruhig.» Das möchte Ruedi Huber beibehalten. «Wir müssen im stillen, im Hintergrund arbeiten. Nur dann kann unser System greifen.»

«Aufhören macht keinen Sinn»

Eingestellt wird das Projekt vorderhand nicht. «Das System hat angefangen zu greifen. Es wäre nicht sinnvoll, jetzt damit aufzuhören», sagt der Stadtrat. Sicher bis Ende Jahr werde weiterhin Nulltoleranz herrschen. Bis dahin sollen auch die Abläufe effizienter gmacht werden – «damit wir die Kosten im Griff haben». Derzeit zahlt die Stadt 4000 Franken monatlich – rund ein Drittel der Sicherheitskosten. Den Rest teilen die SBB und die Fachgeschäfte untereinander auf.

Der Löwenanteil geht für die Bahnpolizei Securitrans drauf. Denn seit dem Start der Nulltoleranzpolitik am Bahnhof weiteten diese ihre Kontrollen stetig aus (siehe Kasten). Mittlerweile patrouilliert die Securitrans auch auf Stadtgebiet – und dies aus gutem Grund. Die Hänger, Kleindealer und Randständigen, die vom Bahnhof vertrieben wurden, treffen sich nun an anderen öffentlichen Plätzen wie unter dem Schlossmühlesteg, im Lindenpark oder in der Passage. «Wir haben schon Meldungen erhalten, dass dort gelegentlich Gruppen herumhängen», bestätigt Ruedi Huber. Deshalb kontrolliere die Securitrans nun auch einige nahe dem Bahnhof gelegene Plätze.

Christof Stillhard, der gleich beim Lindenpark das Cinema Luna betreibt, hatte bisher keine Probleme mit störenden Gruppen. «Lernende essen manchmal hier. Aber sie räumen jeweils sehr gut auf. Randständige kamen bisher keine. Wir haben nichts auszusetzen», sagt Stillhard.

Wohlbefinden der Leute erfassen

«Fakt ist: Wir können die Leute nicht einfach wegbeamen», sagt Stadtrat Ruedi Huber. «Doch im Lindenpark können wir solche Gruppen eher tolerieren als am Bahnhof. In einem Park muss es das leiden können.» Huber möchte die Problemgruppen von den hochfrequentierten Plätzen wegbringen. «Sobald der Normalbürger beginnt, wegen drei oder vier Unbelehrbaren gewisse Orte zu meiden, müssen wir einschreiten», so der SVPler. Der Stadtrat möchte deshalb in nächster Zeit eine Umfrage bei der Bevölkerung durchführen, um deren Wohlbefinden zu erfassen. «Mit einem einfachen Fragebogen möchten wir wissen, was die Leute denken», so Huber. Denn eines möchte er auf keinen Fall: «Dass die Situation kippt und eskaliert.»