Nützliches, Unnützes, Erinnerung

Was der eine nicht mehr braucht, dient vielleicht einem anderen. Am ersten Frauenfelder Flohmarkt im Burstelpark in diesem Jahr wechselten am Samstag viele Dinge ihren Besitzer – von Holzspielzeug bis zum Petroleumofen.

Hugo Berger
Drucken
Teilen
Carmen Kälin mit dem Petroleumofen des Grossvaters. (Bild: unknown)

Carmen Kälin mit dem Petroleumofen des Grossvaters. (Bild: unknown)

FRAUENFELD. Der Wert der Dinge ändert sich im Lauf der Jahre. Was uns heute lieb und teuer ist, wird morgen zum Krempel, zum Kitsch und landet bestenfalls auf dem Flohmarkt, wenn es für andere einen Wert besitzt. Im Burstelpark reiht sich am Samstag zum Saisonstart des Burstelpark-Flohmarkts Stand an Stand. Bücher, Haushaltgeräte, Spielsachen, Kleider – kurzum: alles, was in einem Haushalt nötig oder unnötig ist, findet sich auf den Verkaufstischen. Die Besucher schlendern durch die Reihen, bleiben stehen, schauen sich näher an, was ihnen ins Auge sticht. «Wie viel kostet das?», so lautet die obligate Frage. «Das Schöne am Flohmarkt ist: Man kann den Preis runterhandeln», freut sich ein Besucher.

Grossvaters Leidenschaft

Für viele Flohmärktler sind die Sachen, die sie zum Kauf anbieten, mit Erinnerungen verbunden. Ein Petroleumofen und eine Werkzeugkiste erinnern Carmen Kälin an ihren Grossvater. Otto Peter, so hiess er, betrieb den väterlichen Bauernhof, aber eigentlich wäre er lieber Maurer gewesen. Wann immer möglich, führte er dieses Handwerk auch aus: «Mit dem Fahrrad, eine Werkzeugkiste auf dem Gepäckträger, ging er auf Stör, um kleine Reparaturen auszuführen», erzählt Enkelin Carmen Kälin.

Das Haus des Grossvaters, das kürzlich geräumt wurde, sei sehr einfach eingerichtet gewesen. Beheizt war nur die Stube durch einen Kachelofen. «Wie froh waren meine Grosseltern in kalten Tagen um den kleinen Petroleumofen, welcher im Schlafzimmer oder auf dem stillen Örtchen Wärme spendete», erinnert sich Carmen Kälin.

Platz schaffen für Fingerhüte

Trudi Furrer aus Turbenthal, die zierliche Broschen und Bilder anbietet, ist überzeugt: «Man muss auch loslassen können.» Trennen will sie sich unter anderem von zwei kleinen Gemälden, die Blumensträusse abbilden. «Die zwei Bilder haben mir auf Anhieb gefallen. Ich habe sie vor 35 Jahren in Österreich als Andenken an die Ferien gekauft.» Aber warum trennt man sich dann von solchen Erinnerungsstücken? «Um Platz zu schaffen für Neues», lautet die Antwort. Die Wand, an welcher die Bilder bis anhin hingen, bietet jetzt Platz für ihr neues Hobby – eine Sammlung von Fingerhüten. «So ist das im Leben, die Dinge kommen und gehen, genau wie wir Menschen auch», meint die Frau mit den silbergrauen Haaren mit einem stillen Lächeln.

Platz für Neues will auch die Familie Gehring aus Stettfurt schaffen. Angeboten werden unter anderem Spielsachen der Kinder, darunter ein Hühnerstall aus Holz. «Das war eines meiner Lieblingsspielzeuge. Damit haben meine Schwester und ich als Kinder sehr oft gespielt», erzählt Mutter Madlaina Gehring. Und ihre drei Kinder? Sind die dem Spielsachenalter schon entwachsen? «Nein, aber wir spielen lieber mit anderen Sachen, wie zum Beispiel Playmobil», antwortet der 12jährige Remo.

Teures von der Goldküste

Ganz andere Motive hat Ronaldo Uhlmann aus Langenthal. Der 18-Jährige befasst sich beruflich mit Antiquitäten. «Schon mein Grossvater war in diesem Geschäft tätig», sagt Uhlmann. Seine in Bronze gegossene Uhr gehört wohl zu den teuersten Objekten, die heute am Flohmarkt angeboten werden. Ronaldo Uhlmann schätzt ihren ursprünglichen Kaufpreis auf 20 000 bis 25 000 Franken. Erworben hat er sie in einer Villa an der Goldküste. Er erinnert sich: «Zuerst bot mir die Kundin den üblichen Kram an, wertloses Zeug. Dann zeigte sie auf die Uhr, die auf dem Kaminsims stand – das war ein Volltreffer.» Jemand wird diese teure Uhr wohl kaufen und seine Freude daran haben – wenn auch nur eine Zeit lang.

Ronaldo Uhlmann und die teure Uhr von der Goldküste. (Bilder: Hugo Berger)

Ronaldo Uhlmann und die teure Uhr von der Goldküste. (Bilder: Hugo Berger)

Madlaina Gehring und ihre Kinder mit einem Hühnerstall aus Holz. (Bild: unknown)

Madlaina Gehring und ihre Kinder mit einem Hühnerstall aus Holz. (Bild: unknown)

Trudi Furrer und die zwei Miniaturen aus den Österreich-Ferien. (Bild: unknown)

Trudi Furrer und die zwei Miniaturen aus den Österreich-Ferien. (Bild: unknown)

Aktuelle Nachrichten