Notrufe im Minutentakt

Heftige Gewitter und starke Regenfälle haben am Sonntagabend in mehreren Teilen des Kantons zu Überschwemmungen, Verkehrs- behinderungen und Erdrutschen geführt. Am schlimmsten traf es Kradolf-Schönenberg. Die Einsatzkräfte arbeiten auf Hochtouren.

Samuel Koch
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Geröll und Schwemmgut in der Garage Preisig in Kradolf. (Bild: Nana Do Carmo)

Geröll und Schwemmgut in der Garage Preisig in Kradolf. (Bild: Nana Do Carmo)

FRAUENFELD. In der Ostschweiz haben am Sonntagabend heftige Unwetter getobt und ein Bild der Zerstörung hinterlassen. Überflutete Häuser und Keller, zerstörte Strassen, Stromausfälle, Schlammlawinen und Hangrutsche verursachten grosse Schäden. Im Aach-Thurland zwischen Sulgen und Bischofszell waren die Wassermassen am verheerendsten. Diverse Erdrutsche versperrten Strassen, und die Zugverbindung zwischen Weinfelden und Gossau ist seither unterbrochen. Der Verkehr wird umgeleitet, und für die Zugsausfälle stehen Ersatzbusse bereit. Personen kamen bei den Ereignissen keine zu Schaden. Die Höhe der Schäden kann noch nicht beziffert werden.

Über 500 Meldungen

Gemäss Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, gingen am Sonntagabend ab 17.15 Uhr über 500 Meldungen bei der Notrufzentrale ein. «Das Telefon klingelte im Minutentakt», sagte Meili gegenüber dieser Zeitung. Die meisten Anrufe seien aus den Gemeinden Kradolf-Schönenberg und Erlen eingegangen, aber auch viele aus Amriswil.

Im Ortsteil Kradolf war das Ausmass der Katastrophe unübersehbar. Östlich der Thur haben die Dorfbäche Tülebächli und Bitzibach eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Gemäss Walter Schönholzer, Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg, sei die Katastrophe nicht zu verhindern gewesen. Die Gemeinde hätte immer wieder mit hohen Wasserständen zu kämpfen. Was sich aber am Sonntagabend ereignet habe, sei ein Extremfall.

200 Einsatzkräfte helfen mit

Alleine im Gebiet Kradolf-Schönenberg und Sulgen sind über 200 Hilfskräfte unterwegs. Die beiden Feuerwehren Erlen sowie Sulgen-Kradolf-Schönenberg stehen seit dem Unwetter Tag und Nacht im Einsatz. Des Weiteren unterstützen Zivilschutzeinheiten die örtlichen Feuerwehren. Laut dem zuständigen Kommandanten, Peter Steffen, werden die Aufräumarbeiten noch mehrere Tage andauern. Anwohner berichteten, dass sich das Kradolfer Tülebächli oberhalb der Heldswilerstrasse innert weniger Minuten in einen reissenden Fluss verwandelte. Ein Leitungsrohr, welches das Wasser normalerweise unterirdisch bis zum Bahnübergang leitet, wurde regelrecht gesprengt und riss den Asphalt der in eine Kreuzung verlaufenden Strasse regelrecht auf. Bei der Garage Preisig staute sich das Wasser meterhoch. Im Restaurant Rosengarten mussten die Betreiber die Wassermassen durch das Haus fliessen lassen, um grössere Schäden zu verhindern. Etliche Wohnblocks mussten aus Sicherheitsgründen vom Stromnetz genommen werden, da ganze Tiefgaragen unter Wasser stehen. Strassenbeläge wurden zerstört und von Schlamm bedeckt und das örtliche Telekommunikationsnetz brach stundenlang zusammen. Obwohl die Betroffenen rund um die Uhr arbeiten, helfen sie einander solidarisch.

Himmel schüttet sich aus

Innerhalb weniger Stunden fiel beispielsweise in Güttingen so viel Wasser wie normalerweise im ganzen Monat Juni nicht. Gemäss Meteo-News seien innert zwölf Stunden über 100 Liter pro Quadratmeter niedergegangen. Die Gewitter waren lokal derart unterschiedlich, dass etwa in Berg nur gerade 12 Liter pro Quadratmeter fielen. «Gewitter sind unberechenbar», sagt Roger Perret, Meteorologe bei Meteo-News.

Feuerwehren im Dauereinsatz

Auch in Amriswil und Kesswil standen die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. In Amriswil musste die Feuerwehr bei über 50 Einsätzen ausrücken. Im Gegensatz zu den Niedergängen im Aach-Thurland sei aber kein Schlamm und Geröll bei den Wassermassen mit dabei, sagte der zuständige Kommandant. In Kesswil fiel der Strom nach einer Überflutung einer Trafostation aus.

Auch die Autobahn zwischen Wil und Münchwilen musste einseitig gesperrt werden. Ursache war der Krebsbach in Rickenbach, der über die Ufer trat. Die Wassermassen bahnten sich danach bei der Larag über die Böschung auf die Autobahn hinunter und sorgten für Staus.

Die Rosengartenstrasse in Kradolf wurde vom Wasser unterspült. (Bild: Nana do Carmo)

Die Rosengartenstrasse in Kradolf wurde vom Wasser unterspült. (Bild: Nana do Carmo)

Aufräumarbeiten bei den Bahngeleisen in Kradolf. (Bild: Nana Do Carmo)

Aufräumarbeiten bei den Bahngeleisen in Kradolf. (Bild: Nana Do Carmo)

Unterhalb von Klein Rigi ist der Hang abgerutscht. (Bild: Mario Testa)

Unterhalb von Klein Rigi ist der Hang abgerutscht. (Bild: Mario Testa)