Nothalt bei der Ortsplanung

Es geht um wenig Land, aber für den Gemeinderat doch um viel: Ab Mai droht der Stop für Neueinzonungen in den Thurgauer Gemeinden. Nun will Pfyn bis Ende April mit einer Minirevision anderthalb Hektar baureifes Land einzonen.

Stefan Hilzinger
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Pfyns Gemeindeammann Jacqueline Müller an der Chruchenbergstrasse. Rechts der Strasse will die Gemeinde einzonen. (Bild: Stefan Hilzinger)

Pfyns Gemeindeammann Jacqueline Müller an der Chruchenbergstrasse. Rechts der Strasse will die Gemeinde einzonen. (Bild: Stefan Hilzinger)

PFYN. Jacqueline Müller zeigt auf die Karte hinter sich. Das Dorf Pfyn, darauf sind einige Stellen eingekreist. «Hier wollten wir eigentlich einzonen, doch der Kanton hat uns gesagt, das gehe so nicht», sagt Müller. Im Saal der Trotte in Pfyn sitzen vier Dutzend Zuhörer, meist Männer im gesetzten Alter. Der Pfyner Gemeinderat hatte auf Donnerstagabend zu einer Orientierung über die Revision der Ortsplanung eingeladen.

Frau Gemeindeammann Müller berichtet von fünf Jahren Arbeit. Vom Kredit von 100 000 Franken, den die Gemeindeversammlung 2009 bewilligt hatte und der wohl nicht ausreichen werde. Der Gemeinderat wägte mit den Experten vom Ingenieurbüro BHA Team aus Frauenfeld ab, in welche Richtung sich das Dorf in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren entwickeln, wie und wo neues Bauland eingezont werden soll.

Müller sprach auch viel mit Grundeigentümern. «Wo wir wollten, geht es aus raumplanerischer Sicht nicht. Wo wir könnten, da will man zum Teil nicht», sagt Müller. Sie spricht auf die 5,9 Hektaren Bauland in der Gemeinde an, die noch nicht überbaut, mehrheitlich aber nicht auf dem Markt sind.

«Ein Hammerschlag»

Basis für die Arbeit der Gemeinde ist der kantonale Richtplan von 2009. Doch der wird nun selbst wieder überarbeitet, weil der Bundesrat wohl auf den 1.Mai die Verordnung zum neuen Raumplanungsgesetz in Kraft setzt (siehe Kasten). Die Mitteilung aus dem Departement für Bau und Umwelt vom Dezember über den drohenden Stop für Neueinzonungen bezeichnet Müller als «Hammerschlag».

Zwei grössere Landstücke im Chruchenberg und im Ebnet sowie ein kleiner Flecken in Dettighofen, total 1,6 Hektaren, sollen nun bis Ende April noch eingezont werden. Das Vorhaben liegt seit gestern auf der Gemeindeverwaltung auf. Am 23. April befindet eine ausserordentliche Gemeindeversammlung über das Geschäft. Die Signale stünden gut, dass die Einzonungen vom Kanton gutgeheissen würden, sagt Müller.

«Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach», sagt Max Arnold. Der Ingenieur und SVP-Kantonsrat aus Warth-Weiningen hat die Gemeinde fachlich begleitet. Der jetzige Marschhalt in der Planungsrevision sei nicht der erste, sagt er. Schon 2012 habe es einen gegeben wegen der neuen kantonalen Raumplanungsverordnung, 2013 sei das neue Planungs- und Baugesetz dazugekommen, dann seien die Gemeinden auch verpflichtet worden, die neuen Gefahrenkarten zu berücksichtigen.

«Ich fühlte mich manchmal wie ein Hamster im Rad», sagt Gemeindeammann Müller über die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen. Das Gesamtpaket ist vom Tisch. Es bleiben die drei Einzonungen im Spiel. Kommunaler Richtplan, Zonenplan und Baureglement folgen später, hier gelte es die allerneuesten Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Kein Grund zur Trauer

«Ich habe das Gefühl auf einer Trauerfeier zu sein», sagt ein Mann während der anschliessenden Diskussion. «Doch Pfyn hat heute mehr Autogaragen als Milchbauern.» So gesehen sei der Stop wirklich kein Unglück.