Notfall Intensivstation

Die Intensivpflegestation des Ostschweizer Kinderspitals entspricht nicht mehr den schweizweit geltenden Anforderungen. Ein Neubau ist geplant – und nun blockiert.

Regula Weik
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Die Visiere für den Erweiterungsbau des Ostschweizer Kinderspitals stehen. (Bilder: Urs Bucher)

Die Visiere für den Erweiterungsbau des Ostschweizer Kinderspitals stehen. (Bilder: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Die Intensivpflegestation des Ostschweizer Kinderspitals ist veraltet. Die Platzverhältnisse sind eng – zu eng. Sie genügen den heutigen Ansprüchen der Patienten – und der Angehörigen – nicht mehr. Zu diesem Schluss kommt nicht nur die Spitalleitung. Auch die Schweizerische Gesellschaft für Intensivpflegemedizin hat das festgehalten und die Spitalverantwortlichen aufgefordert, das «in Ordnung zu bringen».

Das tönt harmlos, hat für das Ostschweizer Kinderspital – es ist 40jährig – im schlimmsten Fall aber schwerwiegende Konsequenzen. «Wenn wir nicht aktiv werden und die Intensiv-Pflegestation den heutigen Anforderungen anpassen, riskieren wir den Entzug der Bewilligung», sagt Marco Fischer, Vorsitzender der Spitalleitung. Das wäre für schwerkranke Kinder und ihre Eltern verheerend. Das Kinderspital in der Stadt St. Gallen ist das einzige in der gesamten Ostschweiz. Ein Grossteil der Patientinnen und Patienten auf der Intensivpflegestation seien Frühgeburten oder Neugeborene mit grossen, gesundheitlichen Problemen, sagt Fischer.

National koordiniert

Träger des Kinderspitals sind die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, St. Gallen, Thurgau sowie das Fürstentum Liechtenstein. «Die zehn Betten der Intensivstation sind in der Regel ausgelastet», sagt Fischer. Hinzu kommt: Die Intensivpflegestationen – ihre Bettenzahl ist schweizweit nicht übermässig hoch – sind innerhalb der Kindermedizin ein Spezialfall; sie werden national koordiniert. So kann es vorkommen, dass ein Baby aus Basel in Zürich versorgt wird oder ein Kind aus Luzern in St. Gallen. «Wenn wir die Bewilligung für die Station verlieren, so wirkt sich das schweizweit aus», sagt denn auch der CEO.

So weit soll es nicht kommen. Die Verantwortlichen des Kinderspitals haben daher längst konkrete Pläne. Westlich der heutigen Bauten soll ein Erweiterungsbau erstellt werden; das Grundstück gehört dem Spital, die Stadt St. Gallen hat das Projekt bewilligt. Trotzdem ist es blockiert. Der Eigentümer eines nahen Mehrfamilienhauses hat rekurriert – «aus verschiedenen Gründen», sagt Fischer. Es sei auch in mehreren Gesprächen keine Einigung erzielt worden. Nur auf einen Handel liesse sich der Eigentümer ein: auf einen Liegenschaftentausch. «Wir führen kein Liegenschaften-Portfolio», sagt Fischer. Daher habe die Spitalleitung die Augen offen, ob sich irgendwo ein geeignetes Gebäude finde.

So ist der Erweiterungsbau derzeit blockiert. Das Ostschweizer Kinderspital gerät derweil «in den faulen Rank»: Der Neubau drängt – wegen der Bewilligung. Doch je länger sich das Vorhaben verzögert, desto näher rückt die kantonale Spitalgesamtplanung. Diese sieht vor, das Kinderspital dereinst auf das Areal des Kantonsspitals zu verlegen.

Der Neubau für die Intensiv-pflegestation ist also nur eine Übergangslösung für allenfalls zehn Jahre? Fischer nickt. Gleichzeitig gibt er zu bedenken: Weder das Parlament noch das Volk hätten sich bislang zur Spitalplanung geäussert; beiden müsse das Projekt nächstes Jahr noch vorgelegt werden.

Ein Umzug des Kinderspitals auf das Gelände des Kantonsspitals sei strategisch und unternehmerisch «der einzig richtige Entscheid», so der CEO. Auch aus medizinischen Gründen dränge sich das Zusammenrücken auf – «die Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Fachspezialisten haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt».

Ideal angebunden

Gibt es hausintern keinen alternativen Standort für die Pflegestation? Fischer verneint. Es fehle überall an Platz. Es seien verschiedene Varianten geprüft worden – «an allen Ecken der Gebäude». Der Erweiterungsbau auf der Westseite sei auch aus betrieblichen Gründen ideal – «so ist die direkte Verbindung zu den Operationssälen, zur Radiologie und zur Notfallstation möglich».

Fischer rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr und Kosten von neun Millionen Franken. Der Grossteil sind Stiftungsgelder; das Ostschweizer Kinderspital ist als Stiftung organisiert. Auch die Trägerkantone leisten einen Beitrag. Die freien Räume im Hauptgebäude – nach dem Umzug der Intensiv-Pflegestation – werden zur Erweiterung der Säuglingsstation genutzt. «Auch sie ist seit Jahren überbelegt», sagt Fischer.

Marco Fischer, Spitalleitung. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Marco Fischer, Spitalleitung. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))