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NOTFALL: Die schwierigste Prüfung für Schulen

Wenn Lehrer und Behörden nicht mehr weiter wissen, hilft das Kriseninterventionsteam des Amtes für Volksschule. Nach einem halben Jahr Unterbruch ist das Team im Thurgau wieder erreichbar.

Der Badeplausch in Tägerwilen endete tragisch. Ein chinesischer Austauschschüler lag plötzlich leblos auf dem Seegrund, auf dem Rücken und mit offenen Augen. Die Lehrerin Eva Büchi reagiert schnell, holt tief Luft und taucht ab. Büchi zieht den jungen Mann ans Ufer und beginnt mit einer Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Der Austauschschüler wird schliesslich zurück ins Leben geholt. Es war eine absolute Ausnahmesituation für die Helferin. «Ich wusste, jetzt stürzt eine Lawine auf mich ein», wird sie später gegenüber dieser Zeitung sagen.

Ein Fall für das Kriseninterventionsteam

Der Badeunfall wird auch zum Fall des schulischen Kriseninterventionsteams vom Amt für Volksschulen, auf das Thurgauer Schulen zurückgreifen können. Ausser in den Schulferien ist diese Mannschaft für die Schulen rund um die Uhr auf einer Notfallnummer erreichbar. «Es wird immer geholfen», sagt Brüllmann, Chef des Thurgauer Amtes für Volksschule. Das gibt den Schulgemeinden Sicherheit.

Zu etwas mehr als einem Dutzend Einsätzen rückt das Kriseninterventionsteam pro Jahr aus. In rund 40 Fällen erteilt es eine notfallpsychologische Beratung per Telefon. «Wir erleben, dass Betroffene oft froh sind, wenn ihnen jemand zuhört und eine Last sofort abnimmt», sagt Michaela Klaus, Thurgauer Schulpsychologin und Mitglied des Teams. Der psychologische Effekt in einer aussergewöhnlichen Situation sei hoch zu gewichten.

«Dieses Team steht nicht vorne hin und übernimmt die Verantwortung», sagt Beat Brüllmann. Es leistet seine Arbeit im Hintergrund, berät die verantwortlichen Lehrer und Schulbehörden, die vor Ort die oft sehr emotionale Situation meistern müssen. «Das Kriseninterventionsteam hilft ihnen, bei der Bewältigung des Ereignisses», sagt der Amtschef. Und es bewahrt die nötige emotionale Distanz.

Doch nach einer Schwangerschaft und einer Kündigung konnte das Thurgauer Kriseninterventionsteam sein Angebot im vergangenen Sommer nicht mehr länger aufrechterhalten. «Während eines halben Jahres übernahmen deshalb Kollegen aus dem Kanton St. Gallen die Aufgabe zur Unterstützung von Krisenbewältigungen auch im Thurgau», sagt Brüllmann.

Die Thurgauer wieder im Einsatz

Nun konnte das Amt für Volksschule mit eigenen Mitarbeitern wieder ein Team auf die Beine stellen. Alle Mitglieder haben eine notfallpsychologische Ausbildung. Nach den Sportferien am 5. Februar übernehmen sie wieder den Betrieb als besondere Anlaufstelle für die Schulen, die eine Krise zu bewältigen haben. Eine solche kann beispielsweise auch eine Suizidandrohung eines Schülers auslösen. «Auch Drohungen kommen vor», sagt Klaus. Bei grossen Krisen ist dann jeweils sofort auch die Kantonspolizei mit im Boot.

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

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