«Noch nicht über dem Berg»

Die Arbeitslosigkeit im Thurgau ist im März leicht zurückgegangen. Doch nicht alle Arbeitslosen profitieren. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt weiter. Das Programm Thurgau Plus, das ihnen helfen sollte, tritt trotzdem noch nicht in Kraft.

Kaspar Enz
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frauenfeld. Über 200 Personen weniger waren im März im Thurgau arbeitslos gemeldet. Noch 4710 Arbeitslose gibt es im Thurgau, eine Quote von 3,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank damit unter den Rekordwert von vier Prozent, den sie im Januar und Februar dieses Jahr noch erreichte. Vor allem die Zahl der jüngeren Arbeitslosen unter 50 Jahren und derer, die weniger als ein halbes Jahr arbeitslos gemeldet waren, ging zurück. Auch fanden vor allem Fachkräfte wieder eine Arbeit.

Aufschwung nicht für alle

Nicht für alle aber ging es aufwärts. Bei den über 50-Jährigen sank die Zahl nur um 19, auch die Zahl der Arbeitslosen, die sieben bis zwölf Monate arbeitslos waren, blieb beinahe stabil. Gestiegen ist hingegen die Zahl der Langzeitarbeitslosen. 792 Personen waren im März seit über einem Jahr arbeitslos gemeldet, das sind 74 mehr als im Februar und fast dreimal so viele wie im März 2009, als die Arbeitslosigkeit noch rund ein Prozent tiefer lag.

Dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen ansteigt, sei in solchen Zeiten normal, sagt Edgar Sidamgrotzki, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. «Je länger jemand arbeitslos ist, desto schwieriger die Reintegration.»

Dabei hätte das Programm Thurgau Plus helfen können, das die Regierung im Februar vorstellte. Es will Unternehmen die Risiken abnehmen, die sie bei der Anstellung von Langzeitarbeitslosen tragen, und die sie oft daran hindern, diese einzustellen.

Und es übernimmt die Hälfte der Kosten, die den Gemeinden entstehen, wenn sie Langzeitarbeitslose Beschäftigungsprogrammen zuweisen – Kosten, wegen denen viele Gemeinden dabei zurückhaltend sind, wie Roland Kuttruff, Präsident des Verbandes Thurgauer Gemeinden, an der Präsentation des Programms sagte. Gerade über 50jährigen Ausgesteuerten könne Thurgau Plus helfen, wie Regierungsrat Kaspar Schläpfer an jener Medieninformation betonte. Finanziert worden wäre das Programm aus dem Arbeitsmarktfonds.

34 Millionen waren darin, als die Regierung Thurgau Plus präsentierte, dank der positiven Rechnung des Kantons sollen ihm weitere fünf Millionen zufliessen. Bei einer Arbeitslosenrate von vier Prozent würde das Programm 2,7 Millionen Franken kosten, wie die Regierung schätzt.

Mehr Zwischenverdienste

Doch das Programm wird zumindest vorläufig nicht gestartet. Dazu hätte die Arbeitslosigkeit drei Monate am Stück vier Prozent betragen müssen. Im Januar und Februar hatte die Quote diesen Wert noch erreicht, im März nun nicht mehr.

«Wir sind noch nicht über dem Berg», sagt Edgar Sidamgrotzki. Vor allem Temporärjobs und Zwischenverdienste seien für den Rückgang der Arbeitslosigkeit verantwortlich, glaubt er. Es sei zu früh, um sagen zu können, ob ein echter Aufschwung stattfinde oder wie sich die Langzeitarbeitslosigkeit entwickle. Das Amt werde die Situation weiterverfolgen. «Die Arbeitslosigkeit ist ein komplexes Geschehen», sagt er.

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