Noch immer fehlt ein Polizist

Dank der Aufstockung der Kantonspolizei Thurgau sollte unter anderem der Posten Neukirch-Egnach besser besetzt werden. Der Gemeindepräsident hat nichts davon bemerkt. Offenbar ist der Polizist anderswo eingesetzt worden.

Thomas Wunderlin
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Die Gemeinde Egnach hätte gern längere Öffnungszeiten des Polizeipostens im Gemeindehaus in Neukirch. (Bild: Reto Martin)

Die Gemeinde Egnach hätte gern längere Öffnungszeiten des Polizeipostens im Gemeindehaus in Neukirch. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Drei Polizisten sollten im Posten Neukirch-Egnach Dienst leisten. So hatte es der Thurgauer Regierungsrat 2010 angekündigt in seiner Botschaft, in der er die Aufstockung der Kantonspolizei von 350 auf maximal 384 Personen per 1. Oktober beantragte. 8 weitere der insgesamt 28 Posten sollten ebenfalls von Zweier- zu Dreierposten ausgebaut werden. Unter den Zielen der Bestandeserhöhung nannte Kommissionspräsident Marcel Schenker als erstes die Aufstockung der Polizeiposten. Laut Regierungsrat sollte der Service public durch längere Öffnungszeiten ausgebaut werden.

SVP-Kantonsrat und Egnacher Gemeindepräsident Stephan Tobler hatte zusammen mit drei Oberthurgauer Ratskollegen die Bestandeserhöhung angeregt. Fortan erkundigte er sich jedes Jahr beim zuständigen Aussendienstleiter der Kantonspolizei, wie die Bestandeserhöhung vorankommt. Irgendwann erhielt Tobler die Auskunft, die Aufstockung der Region Ost sei abgeschlossen. Das hätte bedeutet, dass im Posten Neukirch-Egnach, der im Gemeindehaus untergebracht ist, ein dritter Polizist seinen Dienst angetreten hätte.

Leerer Posten

Als Tobler diesen Frühling nachfragte, staunte er über die Antwort: «Sie haben mir gesagt, er sei in Arbon plaziert worden.» Man habe ihm gesagt, es gebe zu wenig Platz in Neukirch: «Dabei ist es hier oft leer.» Das meint Tobler nicht als Kritik an den Polizisten vor Ort, die zu zweit nicht mehr Präsenz zeigen können: «Sie müssen auch auf die Ronde gehen.» Ausserdem wurde Tobler gesagt, man müsse sich überlegen, den Posten Neukirch ganz aufzuheben: «Das hat mir endgültig den Deckel gelupft.»

Zusammen mit SP-Kantonsrätin Verena Marti, die ebenfalls in der Gemeinde Egnach wohnt, hat Tobler am Mittwoch eine Einfache Anfrage zur Umsetzung der Bestandeserhöhung der Kantonspolizei eingereicht. Unter anderem wollen die Vorstösser wissen, ob die Bestandeserhöhung wie geplant diesen Herbst erreicht wird und ob der der Sollbestand in der Region Ost bereits abgeschlossen worden ist. In der Begründung gehen Tobler und Marti nicht auf den gesuchten dritten Polizisten ein. «Ich wollte die Anfrage nicht auf Neukirch beziehen», sagt Tobler. «Sie ist nicht gegen die Polizei oder sonst jemanden gerichtet.» Er wolle nur wissen, wie weit die Umsetzung wirklich sei. Auch die Informationspolitik stellt er in Frage. Insbesondere will er wissen, weshalb die betroffenen Gemeinden über das Vorgehen nicht informiert worden seien.

Ein Jahr Verspätung

Eine Frage von Tobler und Marti hat der Regierungsrat Ende September im Voranschlag 2016 beantwortet: Der Bestand von 384 Polizistinnen und Polizisten wird mit einem Jahr Verspätung am 1. Oktober 2017 erreicht, wenn die Polizeischüler 2016/2017 ins Korps eintreten. In den letzten Jahren hatte die Polizeischule Amriswil stets Mühe, genügend Aspiranten zu finden. Die Polizeischule 2015/2016 konnte erstmals mit 25 Personen besetzt werden.

Per 1. Januar 2016 umfasst das Polizeikorps 361,46 Stellen, heisst es im Ende März veröffentlichten Geschäftsbericht 2015 des Regierungsrats.