Nobodies in geordneten Bahnen

Er hat den speziellsten Vereinsnamen im Hinterthurgau: Der Nobody-Club. Als «Niemande» fühlen sich die Mitglieder nicht, wenngleich der Name ab und an zu reden gibt. Im Zentrum steht für die Nobodies Spass haben bei Grillieren oder Curling.

Simon Dudle
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Eine gute Zeit verbringen lautet das Motto der Nobodies. Das tut Präsident Rolf Tiefenthaler an einem Curling-Anlass in Weinfelden. (Bild: pd)

Eine gute Zeit verbringen lautet das Motto der Nobodies. Das tut Präsident Rolf Tiefenthaler an einem Curling-Anlass in Weinfelden. (Bild: pd)

Wer möchte schon ein Nobody sein? Im Hinterthurgau und der Region Wil gibt es rund 35 Personen, die offen dazu stehen. Einige davon schon seit bald einem Vierteljahrhundert. Es war im Jahr 1991, als der Nobody-Club Hinterthurgau gegründet wurde. Zweimal innerhalb eines Monats, weil bei der ersten Gründung nur vier Personen zugegen waren. Aus der Taufe gehoben wurde eine Vereinigung aktiver Firmen aller Branchen. «Wir waren damals Nobodies und wollten uns mit diesem Verein vernetzen», sagt Rolf Tiefenthaler, Clubpräsident seit dem Jahr 1991.

Kein Konkurrenzdenken

Sofort stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung, gibt es doch diverse Gewerbevereine, Kiwanis und Rotarier. «Kein Problem», sagt Tiefenthaler. «Das Gesellschaftliche steht bei uns im Vordergrund und die Anlässe sind weniger formell als anderswo. Bei uns sind immer auch die Ehefrauen willkommen», sagt Familienvater Tiefenthaler. Damit bekämen die Veranstaltungen eine ganz andere Qualität, als wenn sich der Mann schon wieder einen Abend zu Hause abmelden müsse. Tiefenthaler sieht «seine» Vereinigung nicht als Konkurrenz zu anderen und verweist darauf, dass gewisse Mitglieder auch in Gewerbevereinen aktiv sind. «Solange die Leute an unsere Anlässe kommen, ist die Daseinsberechtigung gegeben.»

Rund zehn Veranstaltungen pro Jahr stehen auf dem Programm. Dieses Jahr wird ein Eschliker Fensterbauer besichtigt, die Stadt St. Gallen erkundet, im Sommer grilliert und Minigolf gespielt. Die Anlässe sind kunterbunt, genau wie der Verein selbst. «Wir sind nicht elitär, dafür gesellig, unkompliziert und sympathisch», sagt Tiefenthaler.

Seit geraumer Zeit nicht mehr auf dem Jahresplan steht die Durchführung einer Gewerbemesse. 1997 und 1999 hatten die Nobodies eine solche organisiert. Seither fragte der Vorstand seine Mitglieder an den Versammlungen schon mehrfach, ob er das wiederholen soll – und bekam jeweils eine Abfuhr. Sind die Nobodies also ruhiger geworden? «Nicht ruhiger, aber geordneter. Im Gegensatz zu früher steht das Jahresprogramm nun jeweils schon an der Hauptversammlung fest», sagt Rolf Tiefenthaler.

Der Geldbeutel ist geschrumpft

Nobodies wären allerdings keine Nobodies, wenn sie nicht auch ihre Problemchen hätten. Zum Beispiel mit dem lieben Geld. In den vergangenen Jahren ist das Vermögen kontinuierlich geschrumpft – auf noch 3800 Franken. An der Versammlung im März musste der Mitgliederbeitrag von 150 auf 200 Franken angehoben werden. Es war die erste Anpassung seit der Vereinsgründung. Einstimmig wurde sie genehmigt.

Mehrere Vertreter pro Branche

An ebendieser Versammlung wurde auch der Passus der Branchenneutralität gelockert. Dieser hatte vorgegeben, dass pro Branche nur ein Mitglied dem Verein angehören darf. «Ich war von Anfang an für eine Auflockerung. Es handelt sich bei einem Mitbewerber nicht um einen Feind», sagt Präsident Tiefenthaler.

Und der Name? Mittlerweile sind viele der Mitglieder in der Region keine Nobodies mehr. «Der Name steht bei uns permanent zur Diskussion. Allerdings nur bei neueintretenden Personen», sagt Tiefenthaler.