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NO-BILLAG: Reto Scherrer am Billag-Podium: "Der will mich doch verarschen!"

Auf dem Podium der SVP Weinfelden standen am Dienstag drei Politiker und SRF-Mann Reto Scherrer. Sie alle können reden, doch einer war besonders laut. Der "Samschtig-Jass"-Moderator wurde 18 Tage vor der Abstimmung zur "No-Billag-Initiative" emotional.
Larissa Flammer
Der Weinfelder Reto Scherrer moderiert seit August 2017 den «Samschtig-Jass». (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der Weinfelder Reto Scherrer moderiert seit August 2017 den «Samschtig-Jass». (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Der «Samschtig-Jass»-Moderator Reto Scherrer kann zwar gut reden, doch kann er auch auf einer Bühne mit Politikern argumentieren? Er kann es nicht, wie sich am Dienstagabend zeigte – zumindest nicht zum Thema «No-Billag».

Fast alle der gut 100 Anwesenden im Weinfelder Traubensaal hatten ihre Meinung zur Initiative bereits vor dem Podium gemacht. Doch die Diskussion versprach spannend zu werden: Die SVP-Kantonsräte Hermann Lei und Urs Martin argumentierten gegen ihren Ständerat Roland Eberle und gegen SRF-Mann Reto Scherrer.

Solidarische Beiträge wie Schulsteuern

Zu Beginn antwortete Scherrer noch brav auf die Fragen von Moderator und SVP-Kantonsrat Andrea Vonlanthen. Er argumentierte, dass es ihn auch lange gestört habe, Schulsteuern zu bezahlen, obwohl er damals noch keine Kinder hatte. «Doch es gehört bei uns dazu, dass wir solidarisch sind.» Während die Politiker – routiniert in solchen Diskussionen – bei jeder Frage ihre vorbereiteten Argumente präsentierten, konnte sich Scherrer nicht zurückhalten.

«Mittlerweile bereue ich fast ein bisschen, dass ich hier mitgemacht habe», rief er aus. Und: «Er will mich doch verarschen.» Grund war in diesem Fall, dass Urs Martin eine persönliche, negative Begegnung mit Roger de Weck, dem ehemaligen Generaldirektor der SRG, als Argument vorbrachte.

Ohne Billag haben es private Medien leichter

Die beiden Kontra-Redner im Traubensaal schauen beide kaum oder gar kein Fernsehen. «Man sollte nicht gezwungen werden, etwas zu bezahlen, was man gar nicht konsumiert», sagte Urs Martin. Auch den nationalen Zusammenhalt sieht der Romanshorner nicht gefährdet: «Die Eidgenossenschaft hat es vor der SRG bereits gegeben.»

Hermann Lei ist der Überzeugung, dass auch Private Radio und TV machen können. «Ich will keine kontrollierten Medien sondern freie», sagte er. Der Frauenfelder sprach immer wieder von einer «blühenden Landschaft», welche die privaten Medienmacher ohne Billag erwarte. Einmal rutschte ihm zwar heraus, die Initiative gehe ihm zu weit, es brauche einfach Proteststimmen. Darauf angesprochen, antwortete er jedoch: «Wenn ich zwischen allem oder nichts entscheiden muss, bin ich für nichts.»

Druck wird bei der SRG grösser

Ständerat Roland Eberle wollte es nicht gelten lassen, dass private Medien es ohne Billag einfacher hätten. «Wir konsumieren doch heute alle wenn möglich ohne zu zahlen.» Wenn die Ökonomie Treiber sei, gelte immer das Gesetz des Stärkeren und die Vielfalt leide.

Der «Samschtig-Jass»-Moderator wurde deutlich: «Bei einem Ja ist mein Arbeitsplatz weg!» Bereits jetzt sei man am Limit. «Natürlich könnte man Kosten reduzieren, aber dann wäre die Qualität schlechter», sagte Reto Scherrer. Auch bei einem Nein zur Initiative sei eine Sparrunde angekündigt. «Man hat mir schon gesagt, dass wir künftig in der gleichen Zeit sechs statt vier Sendungen aufnehmen müssen.» Er müsse sich überlegen, ob er unter diesem immer mehr zunehmenden Druck noch arbeiten wolle.

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