Niederflurig, ertastbar und mobil

FRAUENFELD. Laut einem Bericht der SBB von 2013 ist jeder zweite SBB-Bahnhof behindertenkonform – darunter auch Romanshorn, Frauenfeld, Weinfelden, Kreuzlingen und Amriswil. Die andere Hälfte stelle die SBB vor «hohe bauliche und finanzielle Herausforderungen».

Stefan Etter
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Die Druckknöpfe erleichtern Sehbehinderten den Einstieg. (Bild: Reto Martin)

Die Druckknöpfe erleichtern Sehbehinderten den Einstieg. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Laut einem Bericht der SBB von 2013 ist jeder zweite SBB-Bahnhof behindertenkonform – darunter auch Romanshorn, Frauenfeld, Weinfelden, Kreuzlingen und Amriswil. Die andere Hälfte stelle die SBB vor «hohe bauliche und finanzielle Herausforderungen».

Züge mit akustischem Signal

Die Wagen der Frauenfeld-Wil-Bahn (FW-Bahn) würden alle den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) entsprechen. «Zudem sind alle Wagen innen und aussen mit ertastbaren Druckknöpfen ausgestattet», sagt Mediensprecher Alexander Liniger. Auch die SBB haben die Halteknöpfe der Doppelstock- und Neigezüge taktil gestaltet. Jene der FW-Bahn seien zudem im Sinne der Behindertenfreundlichkeit stets gleich angeordnet. «Zusätzlich geben die Halteknöpfe auf der Aussenwand ein akustisches Signal von sich, wenn der Zug steht.» Die ganze FW-Bahn-Flotte ist – wie die SBB-Doppelstockwagen – niederflurig. So steigen Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen oder Gehbehinderte bei ebenerdigen Perrons autonom ein und aus.

Rampen oder Mobillifte

Doch besteht für die FW-Bahn noch Handlungsbedarf. «Von den dreizehn Haltestellen entsprechen die Perrons in Wängi, Münchwilen Pflegeheim, Wiesengrund und Frauenfeld den Vorgaben des BehiG», sagt Liniger. Die restlichen Perrons sollen bis Ende 2018 umgebaut werden. «Die Investitionen in die Perronerhöhungen betragen rund 2,7 Millionen Franken», sagt Liniger. Das sei zwar viel Geld, «aber die Investitionen sind uns wichtig».

Auch das Bahnunternehmen Thurbo AG hat Massnahmen getroffen. «Bei allen 105 Zügen der Thurbo AG befindet sich im Führerstand eine Faltrampe, die der Lokführer bei Bedarf auslegen kann», sagt Gallus Heuberger, Mediensprecher der Thurbo AG. Ähnliche Rampen kommen auch bei den niederflurigen SBB-Doppelstockwagen zum Einsatz. Bei den Neigezügen hingegen werden für den Einstieg mit Rollstühlen Mobillifte verwendet.

Ebenerdige Perrons

Bei den Mittelwagen der 15 neusten Thurbo-Zügen befinden sich zudem Klapptritte, die bei Halt herunterfahren. Damit sind diese Wagen bei ebenerdigen Perrons rollstuhlgängig. Die Einbaukosten pro Fahrzeug betragen rund 30 000 Franken. Noch seien nicht alle Thurbo-Perrons ebenerdig. «Das ist Sache der SBB», sagt Heuberger. SBB-Mediensprecher Reto Schärli: «Wir können nicht sagen, welches Perron wann erhöht wird. Tatsache ist aber, dass die SBB dies gemäss BehiG umsetzen werden.» Eine weitere Dienstleistung der Thurbo AG ist die jährliche Broschüre «Mit dem Rollstuhl im Thurbo-Land».

Thurbo eventuell nachrüsten

Wie bei den SBB und der FW-Bahn ist auch der Thurbo mit ertastbaren Druckknöpfen ausgestattet – sogar in den rollstuhlgängigen WC-Anlagen. «Wir sind zufrieden mit unserem Angebot», sagt Heuberger. «Wir haben positive Feedbacks erhalten.» Die 105 Züge genügen derzeit den Anforderungen des BehiG. «Offen ist, ob wir die 90 Züge, die noch keine Klapptritte haben, nachrüsten müssen.» Im Mai steht in dieser Frage ein Treffen mit dem Bundesamt für Verkehr auf dem Plan.

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