Nieder mit der Maturaquote

Der Thurgau hat die zweittiefste Maturaquote aller Kantone. Und das ist gut so, findet Daniel Vetterli, Landwirt und SVP-Kantonsrat. Noch lieber wäre ihm die tiefste. Seine These lautet nämlich: «Mit der akademischen Ausbildung produziert man nur Arbeitslose.»

David Angst
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Der Thurgau hat die zweittiefste Maturaquote aller Kantone. Und das ist gut so, findet Daniel Vetterli, Landwirt und SVP-Kantonsrat. Noch lieber wäre ihm die tiefste. Seine These lautet nämlich: «Mit der akademischen Ausbildung produziert man nur Arbeitslose.»

Vetterli ist nicht grundsätzlich gegen Akademiker, solange sie Ingenieur studieren oder sonst etwas, was man in der Wirtschaft brauchen kann. Also agr., masch. oder inf., alles andere ist Mumpitz. Wenn einer also Philosophie studiert oder Germanistik oder sonst ein «Regenbogenfach», so kostet er den Staat einen Haufen Geld und ist am Ende arbeitslos. Oder noch schlimmer, er wird Journalist.

Es gibt prominente Beispiele, die Vetterlis These belegen. Nehmen wir den Vergleich zwischen Ueli Maurer und Jakob Stark. Maurer absolvierte eine Lehre bei der Landi, Stark machte die Matura und studierte dann ein «Regenbogenfach», nämlich Geschichte. Stark ist also selber schuld, dass er noch nicht Bundesrat geworden ist.

Das allerbeste Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, ist aber der Thurgauer des Jahres 2015, Hermann Hess. Zuerst machte er die überflüssige Matura, dann studierte er sechs sinnlose Jahre lang Musik. Schliesslich musste er auch noch an die HSG, um die betriebswirtschaftlichen Grundlagen nachzuholen. Hätte er von Anfang an eine KV-Lehre gemacht, wer weiss, was aus ihm hätte werden können. Vielleicht sogar Präsident der Vereinigten Staaten.

Richard Nägeli, Präsident der Berufsbildungskommission, unterstützt übrigens Daniel Vetterlis These. «Es gibt wissenschaftliche Studien, die den Zusammenhang zwischen hoher Maturaquote und hoher Arbeitslosigkeit belegen», sagt er. Ob die Personen, die diese Studien verfasst haben, die Matura gemacht haben, sagt Nägeli nicht.

Regierungsrätin Monika Knill zieht sich diplomatisch aus der Affäre. Sie sagt, man solle nicht über Quoten diskutieren, sondern das Potenzial der Schüler nutzen. Mit anderen Worten: Es gibt im Thurgau einfach nicht mehr als 14 Prozent, die das Zeug haben, die Matura zu machen.

david.angst@thurgauerzeitung.ch