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Nichts für empfindliche Gemüter

FRAUENFELD. Die Frauenfelder Laientheatergruppe Korn inszeniert einen wahren Mordfall aus der Strafanstalt Pöschwies. Eingeblendete Ausschnitte aus der Original-Berichterstattung beklemmen und wühlen auf. Aufführungsort ist die Gassenküche.
Evi Biedermann
Theatergruppe Korn mit Leiter Peter Zimmermann (links) bespricht die letzten Details. (Bild: Reto Martin)

Theatergruppe Korn mit Leiter Peter Zimmermann (links) bespricht die letzten Details. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Dem Stück «Gewalt im Knast – muss das sein?» liegt ein Fall aus dem Jahr 2008 zugrunde. Damals hatte der zweifache Bubenmörder Roland K. in der Strafanstalt Pöschwies einen jüngeren Mitgefangenen mit einem Mix aus Beruhigungsmitteln betäubt und missbraucht. Als das Opfer um Hilfe schrie, erstickte er es. Grausam, unverständlich. Wie konnte es so weit kommen? Peter Zimmermann kennt das Leben hinter Gitter. Mit seiner Inszenierung prangert der Regisseur die Zustände im Strafvollzug an. «Ich will aufzeigen, was Strafvollzug und alles darum herum ist: ein Tabuthema.»

Als Ex-Häftling weiss Zimmermann, wovon er spricht, sass er doch selbst 30 Jahre im Gefängnis. Heute kümmert sich der 71-Jährige um das Schicksal von entlassenen Strafgefangenen und deren Angehörige. Seit 10 Jahren ist Peter Zimmermann ein freier Mann. Nun macht er mit Theaterstücken auf sich aufmerksam und bereist mit seiner Theatergruppe Korn die ganze Deutschschweiz.

Original-Anklageschrift

Im aktuellen Stück erfährt das Publikum anhand von eingespielten Fernsehberichten, was sich im Januar 2008 in Pöschwies abgespielt hat. Die genauen, zum Teil grässlichen Details jedoch folgen im zweiten Akt, wenn die Staatsanwältin (Theres Schwegler) die Original-Anklageschrift verliest. Der Täter hatte sein Opfer nicht nur sexuell missbraucht und getötet, sondern anschliessend auch den Leichnam geschändet. Weiter tagt das Obergericht, es kommt der Opfer-Anwalt der Hinterbliebenen (Beat Matter) zu Wort. Im dritten Akt wird das Urteil aus dem Original des Protokolls verkündet (Peter Zimmermann als Gerichtspräsident).

Der Mord hätte vermieden werden können, ist Zimmermann überzeugt. Deshalb reichte er mit seinem Verein «Reform 91», den er während seiner Haftzeit in der Strafanstalt Lenzburg gegründet hatte, Strafanzeige gegen Verantwortliche der Zürcher Justiz ein. «Roland K. war ein Wiederholungstäter, gefährlich und pädophil. Als Sexualstraftäter hätte er nie in die Abteilung Suchtgefährdete mit jungen Mitinsassen versetzt werden dürfen.» Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren jedoch ein. Mit der Begründung, die Tat sei nicht voraussehbar gewesen. Für Peter Zimmermann sind dies praktizierende «Sauhäfeli-Saudeckeli»-Mechanismen innerhalb der Zürcher Justiz.

Theater als Sprachohr

Gegen solche Missstände kämpft Zimmermanns 1990 gegründete «Reform 91», die sich für Strafgefangene und Randständige einsetzt. Ein Grossteil der Bevölkerung wisse nicht, dass der Strafvollzug ein wichtiges Element habe: erneute Kriminalität zu bekämpfen. «Unser Interesse liegt darin, dass keiner rückfällig wird nach seiner Entlassung», präzisiert Zimmermann. «Das soll während des Strafvollzugs gelernt werden.» Sprachrohr für Zimmermanns Engagement ist auch das Theater, das er vor 13 Jahren in der St. Galler Strafanstalt Saxerriet gegründet hat (siehe Kasten).

30 Jahre in Haft

Zimmermann selber verbüsste dort die letzten Jahre seiner insgesamt 30jährigen Haft. Verurteilt wegen Betrug und Unzucht mit Zöglingen, die ihm als einstiger Heimleiter anvertraut waren. Seine letzte Tat liegt 30 Jahre zurück. Die Theatermitglieder wie auch deren Angehörige wissen um seine Vergangenheit, sagt der Regisseur.

Sein Vorleben will der zweifache Vater, Gross- und Urgrossvater weder verbergen noch verdrängen. Wer mit ihm darüber spricht, dem versichert er aber mit eindringlichem Blick, dass er kein Pädophiler sei. «Der Vorwurf haftete jahrelang an mir, bis mich 2001 ein psychiatrisches Gutachten davon befreite.»

Aufführung ist morgen Mittwoch um 20.00 in der Gassenküche, Grabenstrasse 12, Frauenfeld. Kollekte zugunsten der Gassenküche.

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