Nicht lustig

Wer als Clown Passanten erschreckt, mit Waffen bedroht oder gar körperlich angreift, hat mit Konsequenzen zu rechnen: Thurgauer Jugendliche wurden zu je fünf Tagen Sozialdienst verurteilt.

Alexandra Looser
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Haben leicht lachen, erschrecken aber alle Leute: Horror-Clowns erlauben sich perfide Spässe. (Bild: Fotolia)

Haben leicht lachen, erschrecken aber alle Leute: Horror-Clowns erlauben sich perfide Spässe. (Bild: Fotolia)

Mit grinsenden Fratzen kamen sie kurz vor 23 Uhr aus dem Dunkel gerannt. Drei Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahre alt. In den Händen eine Motorsäge, zwei Schlagstöcke, ein Messer. Was sich anhört wie eine stereotype Horrorinszenierung aus Hollywood, war vor zwei Jahren alles andere als Fiktion. An der General-Weber-Strasse in Frauenfeld griffen drei Horror-Clowns zwischen geschnittenen Hecken und sauberen Fassaden einen 18jährigen Mann an und verletzten ihn leicht am Arm. Die Polizei wurde noch vom Opfer selbst informiert, die an Ort und Stelle die drei bewaffneten Clowns stellen konnte.

Das Spiel mit der gewaltvollen Maskierung zeugt von einem neuen Trend zwischen vermeintlichem Spass und effektvollem Schaudern, der in den letzten Jahren an Beliebtheit gewann. «Clownpocalypse» nennen es britische Zeitungen: Die Woge an rotnäsigen Weissgesichtern in bunten Kostümen und Waffen in der Hand, die auf Passanten losgehen. Sie schwappt seit Mitte 2010 und verstärkt 2016 aus den USA dank Internet und Nachahmung bis Europa und in den Thurgau über.

Die Maskierung ist ein perfides Spiel

Davon, dass die Horror-Clowns das Gegenkonzept einer belustigenden Figur darstellen, zeugen die diversen Internet-Videos des inszenierten Grusels: Sie jagen an entlegenen Orten Unwissende. Was in Literatur und Film als antagonistische Bedrohung funktionieren mag, wünscht man sich in der Realität nun tatsächlich nicht zu erleben.

Im vorliegenden Fall wurden die drei Jugendlichen aufgrund der Widerhandlung gegen das Waffengesetz und Ruhestörung verurteilt: Mit je fünf Tagen Arbeitsleistung zugunsten des öffentlichen Gemeinwohls. «Was sie mit einem solchen Auftritt bei anderen Personen auslösen würden, haben sie sich nicht überlegt», sagt Barbara Reifler, Leitende Jugendanwältin des Kantons Thurgau. «Es ist Aufgabe der Jugendanwaltschaft, im laufenden Strafverfahren das Bewusstsein für das eigene Handeln zu schärfen.» Das Opfer hat derweil einen Strafverzicht unterzeichnet: Nachdem sich die Angreifer demaskiert hatten, erkannte er Kollegen unter den Horror-Masken.