Nicht jedes Geschenk bereitet Freude

Wie soll der Kunstverein mit Schenkungen von Kunstwerken umgehen, die den Verantwortlichen möglicherweise gar nicht gefallen? Mit dieser Frage setzten sich die Mitglieder des Kunstvereins Frauenfeld an ihrer Jahresversammlung auseinander.

Christof Lampart
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Hans Bissegger, Präsident des Kunstvereins, spricht an der GV. (Bild: Christof Lampart)

Hans Bissegger, Präsident des Kunstvereins, spricht an der GV. (Bild: Christof Lampart)

FRAUENFELD. Es müssen ein paar Stellschrauben gestellt werden, soll der Kunstverein Frauenfeld auch in den nächsten Jahrzehnten ein kultureller Trägerverein Frauenfelds sein. Das konnte Präsident Hans Bissegger nicht verhehlen, als er am Montagabend rund 30 Mitglieder im «Goldenen Kreuz» zur Jahresversammlung begrüsste.

Zwar konnte der Vorstand viel Positives berichten. So sind die Finanzen gesund, und die Veranstaltungen im abgelaufenen Vereinsjahr waren gut besucht,

Deutlich weniger Mitglieder

Doch da ist beispielsweise auch die Sache mit den Mitgliedern: Waren es um die Jahrtausendwende noch über 600, so ist man in der Zwischenzeit auf bald 400 Mitglieder unten. Auch im letzten Vereinsjahr hielt der Negativtrend an, standen doch 12 Eintritten 26 Austritte gegenüber. Dass aufgrund der relativ hohen Altersstruktur auch einige Todesfälle unter den Austritten waren, macht das zunehmende Ungleichgewicht zwar erklärbar, akzentuiert jedoch auch die Notwendigkeit, neue Wege in der Mitgliederrekrutierung zu gehen. Wie diese jedoch aussehen könnten, wusste am Montagabend niemand.

Kunst oder Krempel?

Auch ein weiterer «Umgang» gab zu reden – nämlich jener mit angedachten Schenkungen. Laut Hans Bissegger komme es immer häufiger vor, dass Menschen dem Kunstverein ihre Sammlungen vermachen wollten. Oft sei dies der Fall, wenn beispielsweise ein Museum dankend abgelehnt habe. Doch auch der Kunstverein Frauenfeld gerate je länger, desto häufiger in Sachen Schenkungen in die Zwickmühle. Denn was soll der Kunstverein tun, wenn ein Teil der Schenkung entweder überhaupt nicht zur eigenen Sammlung passe oder – noch schlimmer – künstlerisch wertlos und somit uninteressant sei? Bissegger schlug den Mitgliedern vor, die Bestände von Schenkungen – sofern der Kunstverein sie denn annähme – in drei Kategorien zu gliedern: in Sammlungsstücke, Verkaufsstücke und in Wegwerfstücke.

In der Diskussion zeigte es sich, dass zwar viele für den Wunsch nach einer klaren Kategorisierung Verständnis hatten. Zugleich wollte sich jedoch niemand zumuten, dies zu entscheiden. Und was würde eventuell rechtlich passieren, wenn man heute etwas bedenkenlos entsorge, das sich in 30 Jahren als ein Meisterwerk entpuppte? Bissegger machte jedoch klar, dass der Kunstverein nicht unbegrenzt Platz habe und auch nicht alles sammle.

«Kunst sucht Liebhaberin»

Dasselbe gilt auch für Private. Aus diesem Grund organisiert der Kunstverein Frauenfeld am 9. April 2016 in seiner Galerie im Bernerhaus unter dem Titel «Kunst sucht Liebhaberin» einen Verkaufs- und Kulturevent, an dem Vereinsmitglieder anonym Werke aus eigener Sammlung verkaufen können. Die «Suchbörse» sei nicht dazu gedacht, dass Kunstschaffende bei dieser Gelegenheit ihre eigenen Werke verkaufen. Der Clou dabei ist, dass der Kunstverein beim Verkauf als Mittler auftritt. «Wer ein Werk kauft, weiss also nicht, von wem er es erwirbt – und umgekehrt», sagt Hans Bissegger.

Bei der Ausstellungsvorbereitung berät der Kunstverein seine Mitglieder, wenn es beispielsweise darum geht, einen realistischen Preis fürs Werk festzusetzen. Noch können sich Interessierte mit ihren Werken beim Kunstverein melden. Es könnte sich also durchaus für den einen oder die andere lohnen, zeitnah Mitglied beim Kunstverein Frauenfeld zu werden. Darüber hinaus soll «Kunst sucht Liebhaberin» für viele Kunstliebhaber einfach die Gelegenheit zum gesellig-tiefsinnigen Treffen sein.

Weitere Information unter www.kunstverein-frauenfeld.ch.