Nicht alle Gebäude finden Gefallen

Der siebzehnte Band der Reihe Denkmalpflege im Thurgau stellt Bauten vor, die zwischen 1940 und 1980 entstanden sind. Darunter auch solche, deren Bau man damals verhindern wollte. Regierungsrätin Carmen Haag hofft nun auf konstruktive Kritik.

Hugo Berger
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Carmen Haag wird das neue Werk von Bettina Hedinger überreicht. (Bild: Hugo Berger)

Carmen Haag wird das neue Werk von Bettina Hedinger überreicht. (Bild: Hugo Berger)

WEINFELDEN. Die Bauten aus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg seien in die Jahre gekommen. Vielerorts stünden Sanierungen an oder das Gebäude stehe vor dem Abbruch, heisst es im siebzehnten Band, welches die Denkmalpflege Thurgau und der Schwabe Verlag Basel herausgegeben haben. Dass dieser Band nicht unumstritten ist, wurde an der Buchvernissage am Donnerstag im voll besetzten Saal im Bildungszentrum Weinfelden deutlich. Der Band zeige den Charakter der Gebäude und biete wertvolle Unterlagen, sagte Regierungsrätin Carmen Haag. Das Buch zeige aber auch eine Epoche, die polarisiere; für einige Bauten sei die Akzeptanz in der Bevölkerung eher gering. «Ich hoffe jedoch, dass der neue Band eine konstruktive Kritik auslöst.»

Gebäudebestand verdoppelt

Dieter Schnell von der Universität Bern brachte es auf den Punkt: Was man in den 70er-Jahren zu verhindern versuchte, wird heute geschützt. Für den Erhalt eines Gebäudes sei indessen nicht entscheidend, ob es den Leuten gefalle oder nicht. Vielmehr gehe es darum, die Baukunst der Nachkriegszeit zu dokumentieren. «Es sind Zeugen dieser Zeit. Nur die schönen Bauten ins Verzeichnis aufzunehmen, wäre Geschichtsfälschung.» Ausserdem brauche es eine gewisse Zeit, bis eine neue Stilrichtung in der Bevölkerung Akzeptanz finde. Nicht anders sei es mit dem Jugendstil gewesen. In seinem Kurzreferat sprach Schnell den damaligen Bauboom an. Der Bestand an Gebäuden habe sich in dieser Zeit verdoppelt. Der Verschleiss an Bauland sei enorm gewesen, denn: «Je wichtiger der Bau, desto grösser wurde der Umschwung gewählt.»

Schwierige Beziehung

Die schwierige Beziehung zu den Bauten der 1960er- und 1970er-Jahre wird im Buch wie folgt beschrieben: «Auf den ersten Blick scheinen sie ganz und gar von ihrer Funktion bestimmt zu sein.»

Bei näherer Betrachtung hingegen offenbaren sie sich über Form, ihr Material und ihre Farbigkeit in barocker Gestik. Es sind die Bauten aus den 1960er- und 1970er-Jahren, erstellt in einer Zeit scheinbar nie endender Hochkonjunktur mit profitablem Fortschritt – und das bei wenigen Rappen Erdölkosten.

Skandalöser Energiehaushalt

Einige dieser Bauten, insbesondere öffentliche Verwaltungsgebäude und die der Wirtschaft und Industrie, verfügen über eine beachtliche Haustechnik. Ihr Energiehaushalt an heutigen Massstäben gemessen ist aber geradezu skandalös.