NEUNFORN: Chance gepackt

Der Natur- und Vogelschutzverein nutzte die zuletzt idealen Wetterbedingungen, um beim Barchetsee die Ausdehnung der Sumpfschneide weiter zu verhindern. Letztmals war dies vor fünf Jahren der Fall.

Therese Schurter
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Die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins häufen das Schnittgut zu Maden. (Bilder: Therese Schurter)

Die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins häufen das Schnittgut zu Maden. (Bilder: Therese Schurter)

Therese Schurter

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Der Minusgrade sei Dank. Weil die Eisschicht auf dem Barchetsee zwischen Neunforn und Gisenhard zuletzt dick genug war, hat der Natur- und Vogelschutzverein Neunforn (NVVN) endlich wieder einmal ideale Bedingungen, um die Sumpfschneide am weiteren Ausdehnen zu hindern. Vergangene Woche waren die Bedingungen dazu nach fünf Jahren wieder einmal ideal.

In Absprache mit dem Reservatspfleger René Lang sowie dem ehemaligen, langjährigen Präsidenten und immer noch engagierten Mitglied Oskar Kradolfer, startete Cilia Besançon, Präsidentin des NVVN, einen Telefonaufruf und schickte Mails an mögliche Helferinnen und Helfer. Tags darauf konnten acht, am vergangenen Freitag sogar dreizehn Personen für die körperlich anstrengende, jedoch äusserst sinnvolle Arbeit gefunden werden. «Es ist wunderbar, so viele Hände zu haben, alle helfen mit Überzeugung und Elan mit», freute sich Besançon. Sogar hätten sich die Helfer noch selber engagiert und auch Nichtmitglieder für das Sumpfschneide-Mähen begeistern können.

Das wichtigste Werkzeug waren die zwei Motormäher, die von den Besitzern Andreas Hofer sowie Hermann Brack gleich selber bedient wurden. Die beiden Männer hatten harte Arbeit zu leisten, denn die Sumpfschneide hatte sich in der Zwischenzeit ungehemmt verbreitet und der verrottete Bestand mit den nachwachsenden Blättern zu einer ­zähen Masse verdichtet. Die anderen schoben das Schnittgut mit Heugabeln auf ausgelegte Blachen. Dann wurde es darauf weggezogen und auf dem Eis des Streuegebietes zu grossen Maden aufgeschüttet. 2006 wurde es noch verbrannt, seither muss es jedoch weggeführt werden. Mit der Gemeinde hat man dafür einen verlässlichen Partner, die Zusammenarbeit funktioniert. Gemeindearbeiter Heier Pfister wird das Schnittgut in einigen Wochen, wenn es etwas getrocknet ist und an Gewicht verloren hat, mit einer Maschine aufnehmen, gleichzeitig häckseln und dann auf brachen Ackerflächen in der Umgebung verteilen. Es ist der gleiche Effekt wie beim Kompost: Je kleiner die Stücke, desto besser verrottet es.

Kanten schneiden wie ein Laubsägeblatt

Die sonst schwimmenden Inseln im See sind ebenfalls mit der Sumpfschneide bewachsen. Diese werden jedoch bewusst nicht mehr geschnitten, denn während der Badesaison wurde immer wieder versucht, die Inseln zu begehen. Da das Blatt der Sumpfschneide aber schneidet wie ein Laubsägeblatt, geht niemand freiwillig drauf, solange sie bewachsen sind. Damit ist die Sumpfschneide im Gegensatz zu anderen Pflanzearten im See zu ihrer Verteidigung gegen Frass und andere Bedrohungen gut ausgerüstet. Daneben wachsen im Feuchtgebiet am Barchetsee auch seltene Pflanzengattungen der Familie der Orchideengewächse wie zum Beispiel die Herbstwendelorchis oder die Zwiebelorchis. Auch der Langblättrige Sonnentau (eine fleischfressende Pflanze) oder der Fieberklee sind durch die Ausbreitung der Sumpfschneide bedroht. Diese wird nur durch häufiges Zurückschneiden im Wachstum gehemmt. Mit dem Mähen des südlichen und westlichen Seeufers hat der NVVN wieder einen wertvollen Dienst geleistet. Die fleissigen Helferinnen und Helfer haben sicher gut geschlafen, und vielleicht erinnert sich jemand beim Schwimmen im nächsten Sommer, warum die Inseln nicht betreten werden können.