Neunforn behält Frühfranzösisch

Nicht der ganze Thurgau kann Frühfranzösisch abschaffen. Weil die Neunforner Schüler im Kanton Zürich in die Sek gehen, brauchen sie Französisch an der Primarschule. Grenzüberschreitende Probleme stellen sich auch für die Kanti Wil.

Christof Widmer
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Die Primarschulkinder in Neunforn werden auch weiterhin Französisch lernen. (Bild: Donato Caspari)

Die Primarschulkinder in Neunforn werden auch weiterhin Französisch lernen. (Bild: Donato Caspari)

FRAUENFELD. Auf Sommer 2017 schafft der Thurgau den Französischunterricht an der Primarschule ab. Aber nicht der ganze Thurgau. Eine Schulgemeinde im Westen des Kantons will den Beschluss des Grossen Rates nicht für sich gelten lassen. Die Primarschulgemeinde Neunforn will ihren Kindern weiterhin Französisch beibringen. «Für uns wäre das die Wunschlösung», sagt Schulpräsidentin Gabriela Schneider.

Der Grund für diesen Wunsch: Die Jugendlichen aus Oberneunforn, Niederneunforn, Wilen und Uerschhausen, die die Primarschule Neunforn verlassen, gehen nicht im Thurgau in die Sek. Sie gehen über die Kantonsgrenze ins zürcherische Ossingen. Und dort gilt nach wie vor Frühfranzösisch. Damit die Thurgauer Jugendlichen in Ossingen im Französischunterricht nicht nur Bahnhof verstehen, sollen sie die zweite Fremdsprache auch weiterhin schon an der Primarschule lernen.

Lieber kein Wechsel der Sek

Theoretisch möglich wäre auch, dass die Primarschulgemeinde Neunforn ihre Kinder künftig an eine Thurgauer Sekundarschule übertreten lässt. «Wir sind aber vertraglich an Ossingen gebunden», sagt Schneider. Zudem wäre es von der geographischen Lage her schwierig, eine Thurgauer Sekundarschule zu finden. Die nächste wäre in Hüttwilen – das nicht mehr in Velodistanz zu Neunforn liegt.

«Neunforn muss die Sekundarschule nicht wechseln», sagt Walter Berger, Chef des kantonalen Amts für Volksschule. Für diese Schulgemeinde werde es eine spezielle Lösung geben. Das neue Sprachenkonzept für die Thurgauer Schulen, das derzeit ausgearbeitet wird, werde Möglichkeiten aufzeigen. Geplant ist, dass an Primarschulen der Französisch-Unterricht als Freifach angeboten wird. Eventuell könne man dieses Freifach für Neunforn einfach obligatorisch machen, sagt Berger.

Der Französischunterricht ist nicht die erste Differenz, die sich über die Kantonsgrenze auftut, sagt Berger. Neunforn habe schon eine Ausnahme gemacht, als der Thurgau und Zürich den Englischunterricht in verschiedenen Klassen begonnen haben.

Neunforn ist laut Berger die einzige Thurgauer Schulgemeinde, deren Jugendliche eine ausserkantonale Sekundarschule besuchen. Den umgekehrten Fall gibt es am andern Ende des Kantons: Die Sekundarschule Arbon unterrichtet Schüler aus dem st. gallischen Steinach.

Kanti Wil hat Problem erkannt

Betroffen von der Abschaffung des Frühfranzösischen im Thurgau ist auch die Kantonsschule Wil. Sie nimmt Schülerinnen und Schüler aus dem Hinterthurgau auf. Beim Übertritt aus der zweiten Sekundarklasse dürften Thurgauer und St. Galler Schüler künftig aber unterschiedlich gute Französischkenntnisse haben. Die Thurgauer sollen das fehlende Frühfranzösisch erst bis Ende dritter Sek kompensiert haben. «Wir haben das Problem erkannt», sagt Rektorin Doris Dietler.

Die Kantonsschule Wil werde zusammen mit den Verantwortlichen im Thurgau die Situation noch klären. Dietler geht davon aus, dass sich erst in der Praxis herausstellen wird, wie sehr sich der Wissensstand der Thurgauer Schülerinnen und Schüler von jenem der St. Galler unterscheidet. Die Rektorin stellt aber jetzt schon klar: «Wir werden auch künftig Thurgauer Schülerinnen und Schüler ab der zweiten Sek aufnehmen.» Sie geht davon aus, dass sich die Unterschiede in den Französischkenntnissen schnell ausgleichen. Das habe die Kanti Wil auch im Zusammenhang mit Unterschieden im Englischunterricht festgestellt.