Neuhauserstrasse: Auch zweites Projekt löst Proteststurm aus

FRAUENFELD. Gegen das überarbeitete Sanierungsprojekt der Neuhauserstrasse in Frauenfeld sind 145 Einsprachen eingegangen.

Beat W. Hollenstein
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FRAUENFELD. Der Streit um die Sanierung der Frauenfelder Neuhauserstrasse geht definitiv in die Verlängerung. Wie der Stadtrat gestern Mittwoch mitteilte, sind 145 Einsprachen eingegangen bis zum Ende der Auflagefrist am 21. November. Er werde diese nun auswerten und anschliessend das weitere Vorgehen festlegen. Zurzeit erteile er keine weitergehenden Auskünfte.

Damit steckt der Stadtrat weiterhin in einer Sackgasse. Bereits gegen ein erstes Projekt, vom städtischen Tiefbauamt Ende 2011 präsentiert, gingen 84 Einsprachen ein. Stein des Anstosses war die geplante Fahrbahnverengung auf dem Teilstück zwischen dem Sternwarte-Kreisel und der Buechhölzlistrasse von 7 auf 5,5 Meter – dies zugunsten eines zweiten Trottoirs auf der Südseite.

Anwohnerforderung erfüllt

Mit der Reduktion sollte eine Forderung von Anwohnern erfüllt werden. 2008 hatten 140 von ihnen in einer Petition, initiiert von Kaspar Fröhlich, verkehrsberuhigende Massnahmen verlangt. Die Druckfarben auf den Plänen waren noch nicht trocken, als sich Benützer der Sammelstrasse um FDP-Gemeinderat Urs Herzog zum Komitee «Pro Neuhauserstrasse» zusammenschlossen.

Dessen Ziel war es, die Verengung zu verhindern. Ebenso wünschte man sich einen Velostreifen bergwärts anstelle eines zweiten Trottoirs. Die Einspracheflut bewog den Stadtrat im April dazu, das Sanierungsprojekt zurückzuziehen, um nochmals über die Bücher zu gehen.

Kompromiss gesucht

Unter Einbezug der beiden Komitees – inzwischen hatten sich auch die Befürworter als «Neuhuuse läbt!» firmiert – wurden die Sommermonate genutzt, um einen Kompromiss zu suchen.

Nach Gesprächen mit den Einsprechern präsentierte das städtische Tiefbauamt ein überarbeitetes Projekt: «Dreissig Zentimeter mehr Strasse» titelte die Thurgauer Zeitung am 2. November.

Die einzige grössere Abweichung bestand darin, dass die Strasse jetzt auf 5,8 statt 5,5 Meter verengt werden sollte, und zwar auf Kosten der Trottoirbreite.

Das Komitee «Neuhuuse läbt!» signalisierte, es könne mit dem angepassten Projekt leben. Nicht so die Gegner: Als ihnen Stadtrat Urs Müller und Tiefbauchef Thomas Müller das Projekt im Rathaus präsentierten, hagelte es Kritik; viele fühlten sich nicht ernst genommen. Sie prophezeiten eine Einspracheflut.

Bis vor Bundesgericht?

Offen bleibt, welche Schlüsse der Stadtrat aus den 145 Einsprachen ziehen wird. Fest steht einzig, dass die Werkleitungen alt sind und ersetzt werden müssen. Beharrt er auf einer Fahrbahnverengung mit zweiten Trottoir, hat das Komitee «Pro Neuhauserstrasse» bereits damit gedroht, den Rechtsweg beschreiten zu wollen – weil das Projekt laut Urs Herzog die Normen des Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute verletze und den Richtplan, der die Neuhauserstrasse als Hauptveloroute bezeichne, missachte. Gegenüber der Thurgauer Zeitung erklärte er: «Nötigenfalls gehen wir bis vor Bundesgericht.»

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