Neues Ausbildungsangebot für die schwachen Schüler

FRAUENFELD. Ein schlechtes Zeugnis erschwert die Lehrstellensuche. Für besonders schwache Schüler ist die Hürde von der obligatorischen Schulzeit in den Arbeitsmarkt oftmals zu hoch.

Silvan Meile
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FRAUENFELD. Ein schlechtes Zeugnis erschwert die Lehrstellensuche. Für besonders schwache Schüler ist die Hürde von der obligatorischen Schulzeit in den Arbeitsmarkt oftmals zu hoch. Mit dem Wegfall der Anlehre vor fünf Jahren versperrte sich für ein bis zwei Prozent der rund 3000 Thurgauer Schulabgänger pro Jahr der Weg zu einer Arbeitsstelle.

128 000 Franken pro Jahr

Dieses Hindernis räumt nun der Kanton aus dem Weg. Mit dem «Kantonalen Ausbildungs-Attest» soll im Kanton Thurgau eine zusätzliche berufliche Ausbildung geschaffen werden. Es handle sich dabei um ein niederschwelliges Angebot für schwache Schülerinnen und Schüler, teilt der Thurgauer Regierungsrat mit. Er unterbreitet dem Grossen Rat eine Änderung des Gesetzes über die Berufsbildung und die Mittelschulen. Sie hat die Einführung dieses kantonalen Ausbildungs-Attests zum Inhalt. «Aufgrund der aktuellen Begebenheiten wird davon ausgegangen, dass dieses Ausbildungsangebot von rund 20 Jugendlichen pro Jahr genutzt wird», heisst es in einer Mitteilung. Vorgesehen seien zwei Klassen.

Die Kosten dafür würden sich auf 128 000 Franken pro Jahr belaufen. Mit zusätzlichen Zahlungen des Bundes könne für dieses kantonale Angebot nicht gerechnet werden. Der Bund entrichtet den Kantonen Beiträge an die berufliche Bildung in Form von Pauschalen. Die Höhe richtet sich nach den durchschnittlichen gesamtschweizerischen Kosten für die gesamte berufliche Bildung.

Die nun vom Regierungsrat unterbreitete Gesetzesteilrevision mit dem neuen Ausbildungsangebot hat ihren Ursprung in einer Motion. Kantonsrat Roland A. Huber (BDP, Frauenfeld) forderte dies mit seinem Vorstoss «Schaffung der gesetzlichen Grundlage für ein niederschwelliges Berufsausbildungsangebot». Am 26. Februar 2014 erklärte der Grosse Rat Hubers Motion mit 59 zu 52 Stimmen als erheblich.

Zwei Jahre Ausbildung

Bei dieser kantonalen Lösung handle es sich um eine mit dem Lehr- oder Arbeitsvertrag vergleichbare Situation, heisst es in der Botschaft an die Mitglieder des Grossen Rates. An vier Tagen pro Woche würden die Jugendlichen in einem Betrieb arbeiten. An einem Tag finde die Ausbildung in der Berufsschule statt. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Es wird ein betrieblicher und schulischer Kompetenzausweis und eine Beschreibung der Entwicklung ausgestellt. Primäres Ziel sei die Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. «Sekundäres Ziel ist der Übertritt in eine normale Berufsausbildung», heisst es in der Botschaft weiter.

Der Grosse Rat wird beraten

Die Revision des Gesetzes über die Berufsausbildung und die Mittelschulen wird von der Kantonsregierung nebst der Einführung des neuen Angebots für schwache Schüler auch dazu genutzt, um andere kleinere Änderungen vorzunehmen, welche die Aufgaben der Berufsschulkommission verdeutlichen. Zudem wird der Begriff Berufsschulkommission durch Berufsfachschulkommission ersetzt. Der Grosse Rat wird den Gesetzesentwurf noch beraten.