NEUER STANDORT WENIGE HUNDERT METER ÖSTLICH: Boot trübt Postkartensujet

Der Wasserski- und Akrobatik-Club Untersee zügelt vom ehemaligen «Romantica» vor Pipo’s Bar. Den Wind- und Kitesurfern kommt er nicht in die Quere. Dafür gab es kritische Voten zum Ortsbild.

Samuel Koch
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Wasserskifahren erfordert Kraft, Gleichgewicht und Geschick. (Bild: Getty Images)

Wasserskifahren erfordert Kraft, Gleichgewicht und Geschick. (Bild: Getty Images)

Samuel Koch

samuel.koch@thurgauerzeitung.ch

Das Sujet kennen nicht nur Hobby­fotografen. Wer sich Berlingen von Steckborn her zu Fuss nähert, zückt spätestens unterhalb des Weissen Felsen das Smartphone oder eine Kamera. Von dort zeigt sich das idyllische Dorf von der «Chloose» über die Kirche und das Adolf-Dietrich-Haus mit dem Untersee im Vordergrund. Nicht umsonst hat die Politische Gemeinde kürzlich ihr Logo auf dieses Sujet geändert.

Exakt dieses Ortsbild wurde dem Wasserski- und Akrobatik-Club Untersee (Wacu) kurzzeitig zum Verhängnis. Denn nebst dem Rayon, um den Wasserskisport ausüben zu können, verschiebt der Wacu auch ein Floss sowie das Motorboot, das die Sportler hinter sich herzieht ­(siehe Karte). «Fotografen haben sich gestört, dass die Boje mit dem Boot auf Fotos direkt vor der Kirche zu stehen kommt», sagt Ge­meindepräsidentin Annemarie Moret. Daraufhin habe sie mit dem Wacu das Gespräch gesucht und ihm einen anderen Platz im Bojenfeld Gupfen östlich des Dorfkerns Richtung Mannenbach angeboten. Den Wind- und Kitesurfern, die jeweils vor Pipo’s Bar ihre Segel hissen, kommen die Wasserski-Sportler nicht in die Quere. «Wasserski fährt man nur bei schönem Wetter», sagt Moret. Wind- und Kitesurfer hingegen seien eher bei schlechteren Bedingungen draussen.

25 Jahre vor ehemaligem Hotel mit Restaurant

Wacu-Präsident Sepp Hauser bezeichnet den neuen Standort als gute Lösung, auch wenn das Boot vor dem Betrieb jeweils zuerst mehrere hundert Meter zurücklegen muss. Bevor der Rayon aber nach Berlingen zügelte, war der Weg noch um einiges länger. 25 Jahre lang betrieb der Wacu seine Aktivitäten vor dem ehemaligen Hotel mit Restaurant ­Romantica, wo vor vier Jahren Eigentumswohnungen entstanden sind. «Als es verkauft wurde, mussten wir uns einen neuen Clubraum und einen neuen Bootsplatz suchen», sagt Hauser. Provisorisch fündig geworden sind sie beim Schloss Glarisegg, das am Dorfausgang Richtung Mammern liegt und einen Seeweg von rund drei Kilometern ­bedeutete. «Wegen der Ökologie und der Logistik haben wir einen neuen Standort gesucht.» Schon länger sei man mit der Gemeinde Berlingen im Gespräch gewesen. Und kürzlich hat der Verein mit rund 45 Mitgliedern an der Berlinger Seestrasse in der Nähe von Pipo’s Bar auch ein neues Clubhaus gefunden.

Wenn der Kanton einwilligt, läuft die Konzession für die Wasserskifläche für drei Jahre. Eine Bewilligung braucht es auch für das Ziehen mit Boot von Personen mit mehr als zwei Seilen. «Diese Konzession müssen wir jährlich neu beantragen», sagt Sepp Hauser. Die Kosten für die Konzessionen im dreistelligen Bereich hofft er mit Beträgen von Wasserski-Besuchern zu decken.