Neuer Leitfaden gegen Kindsmissbrauch

Ein Kind wird auf dem Schulweg von Unbekannten angesprochen. Wie soll es sich verhalten? Ein neuer Leitfaden gibt Ratschläge an Eltern, Lehrpersonen und Behörden.

Claudia Schmid
Drucken
Teilen

St. Gallen. «Wird ein Kind auf der Strasse von Fremden angesprochen, steht zum Glück meist keine böse Absicht dahinter», sagte Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, bei der Vorstellung des Leitfadens «Ansprechen von Kindern». Trotzdem sei es wichtig, solche Vorfälle ernst zu nehmen: «Das Thema liegt uns sehr am Herzen, weshalb wir alles unternehmen, damit es zu keinem Übergriff auf ein Kind kommen kann.» Die Tips an Eltern, Lehrpersonen und Behörden sind in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzzentrum St. Gallen entstanden.

Kinder stärken

Es gehe keinesfalls darum, den Kindern Angst zu machen oder sie auf Schritt und Tritt zu begleiten, erklärte Claudia Hengstler vom Kinderschutzzentrum. «Die Erfahrung zeigt, dass altersgemäss informierte, starke und selbstbewusste Kinder besser geschützt sind als ängstliche und unsichere.» Sachliches Sprechen über mögliche Gefahren stärke Kinder und gebe ihnen Selbstvertrauen.

Der Leitfaden gibt konkrete Tips, wie die Kinder auf Gefahren aufmerksam gemacht werden und darauf reagieren können. Die Erwachsenen müssten ihnen erklären, warum sie zu einem Fahrzeug immer Distanz halten, niemals zu einer fremden Person ins Auto steigen oder auf keinen Fall von Unbekannten Geschenke annehmen sollten. Seine Kinder immer mit «Gspänli» auf den Kindergarten- oder Schulweg zu schicken, sei eine weitere gute Möglichkeit, sie vor möglichen Übergriffen zu schützen.

Als Vorbild wirken

Kantonspolizei und Kinderschutzzentrum sprechen mit ihrem Leitfaden aber nicht nur das Verhalten der Kinder, sondern auch dasjenige der Erwachsenen an. «Erwachsene sollten niemals Kinder nach dem Weg oder sonstigen Gefälligkeiten fragen», betonte Sigi Rüegg, Chef der Regionalpolizei. Zudem falle es auf, wenn im Bereich von Schulen, Kinderspielplätzen oder Freizeitanlagen Erwachsene in parkierten Autos sitzen würden. «Sie verängstigen Kinder und ihre Eltern, auch wenn sich die Insassen ohne böse Absicht dort befinden.»

Meldungen sehr ernst nehmen

Sowohl die Verantwortlichen der Polizei als auch des Kinderschutzzentrums betonten, dass sie Meldungen über mögliche Übergriffe sehr ernst nehmen würden. Oft hätten Eltern ein ungutes Gefühl oder vermuteten, dass etwas passiert sein könnte, auch wenn keine Fakten bestünden. «In solchen Situationen können sich Eltern oder andere Bezugspersonen an das Kinderschutzzentrum wenden und sich kostenlos beraten lassen», sagte Claudia Hengstler. Ratsam sei es auch, dem Kind zwei oder drei Telefonnummern anzugeben, die es bei Bedarf anrufen könne.

Erhält die Polizei viele Meldungen über mögliche Übergriffe auf dem Schulweg? Sigi Rüegg verneint.

Der Leitfaden ist auf www.kapo.sg.ch und auf www.kszsg.ch zu finden.

Aktuelle Nachrichten