Neue Öfen für mehr Kremationen

Immer mehr Menschen lassen sich nach ihrem Tod einäschern. In der Ostschweiz waren es im vergangenen Jahr rund 87 Prozent der Verstorbenen. Die steigende Zahl stellt das Krematorium St. Gallen vor neue Herausforderungen.

Marion Loher
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ST. GALLEN. Auf dem Gelände des Friedhofs Feldli in der Stadt St. Gallen wird derzeit am neuen Krematorium gebaut. Der Spatenstich erfolgte vor gut einem Jahr. Mittlerweile sind die ersten Klinkersteine gemauert, die Aussenfassade ist bereits gut erkennbar. Die Bauarbeiten gehen zügig voran, wie der Präsident der Stiftung Krematorium St. Gallen, Adrian Rüesch, sagt. «Bis Oktober sollte die Gebäudehülle geschlossen sein.»

Leistungsfähigere Öfen

Ein Neubau ist nötig, weil das bisherige Krematorium aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts den heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht. Die Kremationsöfen beispielsweise sind an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit und ans Ende ihrer Nutzungsdauer gekommen. Mit dem Neubau werden auch die drei Öfen erneuert und damit leistungsfähiger. Das müssen sie auch, denn im vergangenen Jahr sind wieder mehr Einäscherungen durchgeführt worden als in den Jahren zuvor. Dies zeigen die aktuellen Zahlen der Stiftung Krematorium St. Gallen, die insbesondere für die 120 Vertragsgemeinden in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und beider Appenzell die Kremationen der Verstorbenen vornimmt.

Mutmassen über die Gründe

4467 Menschen sind in diesen 120 Vertragsgemeinden im vergangenen Jahr gestorben. Davon wurden 597 erdbestattet, 3870 liessen sich kremieren. Das sind 86,6 Prozent. Im Jahr davor wurden 84,5 Prozent eingeäschert, 2012 waren es rund 84 Prozent. Über die Gründe, weshalb sich immer mehr Menschen nach ihrem Tod kremieren lassen, kann der Stiftungsratspräsident nur mutmassen. Umweltschutzüberlegungen könnten eine Rolle spielen, sagt er, oder auch die Tatsache, dass über die Asche – im Gegensatz zum Leichnam – verfügt werden könne. Er habe auch schon gehört, dass «Angehörige neuerdings sogar einen Diamanten aus der Asche herstellen lassen».

Kosten könnten Rolle spielen

Rüesch nennt einen weiteren Faktor, der für die Zunahme der Kremationen sprechen könnte: die Kosten. «Urnengräber sind kleiner als Erdbestattungsgräber und damit weniger aufwendig und auch kostengünstiger.» Gleichzeitig habe man festgestellt, dass die Beisetzung in Gemeinschaftsgräbern stark zunimmt. Dies dürfte ebenfalls ein Hinweis dafür sein, dass der Unterhalt und die Kosten bei der Wahl der Beisetzung eine wichtige Rolle spielen.

Lange Wartezeiten Anfang Jahr

Ausserordentlich viel zu tun gab es für die Mitarbeitenden des St. Galler Krematoriums Anfang dieses Jahres. Bis zu 20 Kremationen täglich wurden in den ersten beiden Monaten durchgeführt. Angehörige mussten teilweise mit bis zu einer Woche Wartezeit rechnen. «Diese aussergewöhnliche Zunahme war auch für uns neu», sagt Rüesch. «Allerdings war dies nicht nur in St. Gallen festzustellen.» Auch andere Schweizer Krematorien sowie das nahe Ausland hätten erhöhte Einäscherungszahlen gemeldet. «Laut Medienberichten soll dies auf eine starke Grippe, die vor allem älteren Menschen zugesetzt hat, zurückzuführen sein», sagt Rüesch.

Inbetriebnahme Ende 2016

Umso wichtiger ist es, dass das neue Krematorium bald in Betrieb genommen werden kann. Geplant ist dies auf Ende 2016 oder Anfang 2017. «Wir sind im Zeitplan und die Inbetriebnahme sollte dann möglich sein», sagt der Stiftungsratspräsident.

Der Bau kostet rund 20 Millionen Franken und wird von der Stiftung finanziert. Mehr Öfen als das alte wird das neue Krematorium allerdings nicht haben. Trotzdem: Die neuen Ofenanlagen werden gemäss Rüesch mit der neuen Rauchgasreinigung so belastbar sein, dass es zu keinen längeren Wartezeiten mehr kommen sollte wie noch zu Jahresbeginn.

Ein Bedürfnis der Angehörigen

Im weiteren werden mit dem Neubau die Betriebsabläufe optimiert. So wird die Anlieferung der Särge neu auf jener Ebene erfolgen, wo auch die Öfen stehen. «Damit entfällt die aufwendige Verschiebung mit dem Lift», so Rüesch. «Das Ofenhaus wird zudem so gestaltet, dass die Angehörigen die Verstorbenen bei der Einfahrt des Sarges begleiten können.» Dies sei ein Bedürfnis von immer mehr Angehörigen, dem mit dem neuen Krematorium nun entsprochen werde.