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NEUE AUFGABE: Kloster Fischingen: Bruder Pierre wandert nach Osttimor aus

Der Benediktinermönch Pierre Hirt verlässt das Kloster. Der 72-Jährige wird sich als Töpfer in Osttimor niederlassen.
Maya Heizmann
Töpfer Pierre Hirt in seinem Atelier im Kloster Fischingen. Von hier wird er vier Tonnen Material per Schiffscontainer nach Osttimor auf die Seereise schicken. (Bild: Maya Heizmann)

Töpfer Pierre Hirt in seinem Atelier im Kloster Fischingen. Von hier wird er vier Tonnen Material per Schiffscontainer nach Osttimor auf die Seereise schicken. (Bild: Maya Heizmann)

Maya Heizmann

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Es sieht nach definitivem Abschied aus: Beinahe ist alles leer geräumt – das Töpferatelier, die Werkstatt und der Ausstellungsraum. Vier Tonnen Material, wie zwei Brennöfen, eine Spritzkabine, Ausstellungsmöbel, viele Werkzeuge, Steingut und wenig Hausrat werden per Schiffscontainer verladen und nach sieben Wochen Seereise in Dili, der Hauptstadt von Osttimor, ankommen.

Pierre Hirt folgte im September vergangenen Jahres der Einladung der Timor-Stiftung nach Osttimor, um dort Lehrlingen die Töpferkunst beizubringen. Nach drei Monaten kehrte er in die Schweiz zurück. Nun hat er beschlossen für immer ins Institut der Timor-Stiftung zurück zu kehren. Erst erhält er eine einjährige Arbeitsbewilligung, die er danach noch zwei Mal verlängern kann. Danach kann er eine zweijährige Residenz beantragen und später die Einbürgerung für Ost-Timor. Von der Timor Stiftung erhält er Unterstützung und ein geringes Gehalt, somit ist er angestellt. Weiterhin kann er auf dem Campus im Gästehaus wohnen.

Englisch büffeln – und vielleicht Portugiesisch

«Mich nannten sie Daddy und all die Leute in Dili werden sich auf ein Wiedersehen mit mir freuen», sagt der Töpfer. Da werde es sicher Freudentränen geben. Ihm gefällt es, mit den jugendlichen aufgeweckten Lehrlingen zu arbeiten.

«Die neue Aufgabe, auch wenn sie beinahe am Ende der Welt liegt, macht mir sehr grosse Freude», sagt er. So stehe er mitten im vollen Leben. Natürlich ist auch das tropische Klima angenehm, er mag das nasskalte Winterwetter in der Schweiz nicht. Weiterhin wird er nun auch wieder Englisch büffeln und vielleicht noch portugiesisch lernen. «Wenn ein junger Töpferlehrling aus Timor sich selbstständig machen möchte, werde ich ihm gerne meine Töpfer-Materialien überlassen», sagt er.

Pierre Hirt hat ein bewegtes Leben hinter sich. Der gelernte Töpfer ist 1945 in Weinfelden geboren. Ein Stipendium des Kantons Thurgau ermöglichte ihm einen Aufenthalt in der Kunstakademie in Sion. Pierre arbeitete in verschiedenen Jobs, wurde in Saillon VS sesshaft, wo er und seine Frau Verena, ebenfalls eine Töpferin, eine Töpferei betrieben. Das Familienleben mit Verena, Sohn Mathias und Tochter Delphine endete nach 14 Jahren mit einer Scheidung.

Pierre sattelte um und machte eine Ausbildung als Metallbauschlosser. «Als ich 50 wurde, suchte ich nach dem Sinn des Lebens», sagt er. Er entschloss sich, ins Kloster Fischingen einzutreten. Als Reformierter musste er erst in die römischkatholische Kirche übertreten. «Dieser Weg war damals der richtige für mich», sagt er.

Nur noch fünf Mönche im Kloster Fischingen

Zwanzig Jahre lebte Bruder Pierre in der Benediktinergemeinschaft. «Nun gebe ich mein Gelübde ab und hänge meine Mönchskutte sozusagen an den Nagel», sagt der 72-Jährige. Nun sei er kein Mönch mehr, sondern eine Zivilperson. «Strich darunter, ich lasse ab dem 12. Februar alles hinter mir», sagt er. «Ich wollte mein restliches Leben nicht in der Stille des Klosters zerrinnen lassen, sondern mir noch mal einen neuen Lebensinhalt gestalten.»

Im Kloster Fischingen verbleiben nur noch fünf Beneditiktinermönche. Alle Werke seiner Kunsttöpferei verschenkt Pierre Hirt nun an interessierte Liebhaber. «Natürlich nehme ich auch gerne einen Batzen an», sagt er. Geld könne er schliesslich immer brauchen.

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